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Symposium: Behinderung im Beruf

Gut vorbereitet auf die SBV-Wahl - Der Wahlherbst

Falls die Wahl bei Ihnen bevorsteht und Sie zu denen gehören, die sich zur Wiederwahl stellen, mögen Sie sich fragen: Wie war das denn vor 4 Jahren? Und wenn Sie sich zum ersten Mal um das Amt der Vertrauensperson bewerben, möchten Sie bestimmt nicht schon bei der Wahl Fehler machen.

Gott sei Dank, werden Sie sagen, trägt der Wahlvorstand die Verantwortung für die korrekte Durchführung der Wahl und das ist (üblicherweise) der Job des Betriebsrats oder der Gesamtschwerbehindertenvertretung.
Sie können sich daher völlig entspannen und schon mal im Vorfeld ein paar Gedanken machen, wie Sie sich Ihre Rolle als erfolgreiche Vertrauensperson vorstellen oder, falls Sie sich zur Wiederwahl stellen, was Sie in der neuen Wahlperiode anders machen oder worauf Sie neben dem üblichen SBV-„Geschäft“ den künftigen Schwerpunkt Ihrer Aktivität setzen wollen.

„Wahlkampf“ ums Amt der SBV?

Vielleicht haben Sie sich auch überlegt, wie Sie sich Ihren Wählern präsentieren können. Natürlich reicht es aus rechtlicher Sicht, sich rechtzeitig in die Kandidatenliste aufnehmen zu lassen. Aber ist dies wirklich genug? Wollen diejenigen, die zur Wahl aufgerufen sind, nicht mehr von Ihnen mitbekommen als einige magere Standarddaten? Zum Beispiel: warum Sie sich zur (Wieder-)Wahl stellen.

„Ich mag keinen Wahlkampf führen.“ - „Ich bin ohnehin der einzige Kandidat.“ - „Einer muss es machen, also mache ich‘s halt.“ - „Mich kennen doch die meisten Kolleginnen und Kollegen schon.“ - „Ich bin schon Betriebsrat, da hänge ich die SBV einfach dran.“ Solche und ähnliche Argumente bekam ich oft zu hören, wenn ich Schwerbehindertenvertreter nach der Wahl fragte, wie sie sich den Wählern vor der Wahl präsentiert haben. Wer wundert sich da über niedrige Wahlbeteiligungen?

Die SBV ist für alle da

Es geht nicht darum, sich wichtig zu machen und das Amt der SBV in der betrieblichen Öffentlichkeit medial „aufzublasen“. Es geht allerdings sehr wohl darum, dass

  • die SBV als eigenständige Institution der Vertretung von Arbeitnehmerinteressen von allen wahrgenommen wird: von Belegschaft, Arbeitgeber und Management, Betriebsrat.
  • die Vertrauensperson als Persönlichkeit mit eigenem Profil erkennbar wird, auch wiederum von allen, denn auch die nicht (schwer)behinderten Mitarbeiter sollen wissen, an wen sie sich im Fall einer ernsten Erkrankung wenden können.

„Vertrauensperson“ = Vertrauen in Ihre Person

Vertrauen kann nicht vorausgesetzt werden. Auch wenn Sie gewählt werden, ist das noch kein ausreichender Vertrauensbeweis. Lassen Sie die Kolleginnen und Kollegen spüren, dass Sie dieses Amt ernst nehmen und es nicht wegen persönlicher Vorteile angestrebt haben. Legen Sie Ihre persönlichen Motive offen, die Sie dazu bewogen haben, sich zur Wahl zu stellen.

Sie werden, wenn Sie erstmals ins Amt gewählt werden, natürlich noch nicht mit ausgereifter Kompetenz glänzen können. Ihr Lernprozess beginnt erst nach der Wahl. Stehen Sie dazu, dass Sie zunächst, was das Amt der SBV betrifft, noch wenig (oder keine) Erfahrungen mitbringen, aber dass – was vielleicht auch bei Ihnen der Fall ist – eine ganz persönliche Erfahrung oder Betroffenheit hinter Ihrer Bereitschaft steckt, dieses Amt zu übernehmen. Alles andere lässt sich lernen. Poko empfiehlt sich Ihnen dabei als erfahrener und kompetenter Schulungspartner mit seinem Angebot an einschlägigen Seminaren für Anfänger und Fortgeschrittene .

Ob es um einen Politiker, einen Unternehmer, einen Schauspieler geht, immer interessieren wir uns auch für den Menschen, die hinter der Rolle steckt. Wir vertrauen einem Arzt nicht nur, weil er einen guten Ruf als Mediziner hat, sondern wollen ihn auch als Menschen erleben, der mit Patienten gut umgeht und sie nicht nur „abfertigt“.

So ist es auch mit der „Vertrauensperson“ schwerbehinderter Menschen im Betrieb. Behinderung, eine labile Gesundheit, eingeschränkte Leistungsfähigkeit, all diese Merkmale, die der alles dominierenden Leistungsnorm zuwiderlaufen, machen es den Betroffenen nicht leicht, im Betrieb über ihre Sorgen, Ängste und Bedürfnisse zu sprechen. Das Amt der SBV allein vermag nicht die Vertrauensbasis zu schaffen. Ihre Person ist es, die es kranken und behinderten Kolleginnen und Kollegen leicht oder schwer macht, sich Ihnen anzuvertrauen. Mehr als beim Amt des Betriebsrats kommt bei der SBV diese ganz persönliche Seite in der Beziehung zu ihnen zum Tragen. Sie entscheidet – neben der fachlichen Kompetenz – über die Wirksamkeit dieser Institution.

Wie gewinnen Sie dieses persönliche Profil?

Wenn Sie neu ins Amt gewählt werden wollen, auch als Nachrücker aus der Position des Stellvertreters heraus:

  • Machen Sie sich bekannt, indem Sie von sich sprechen, vor allem von Ihren persönlichen Motiven, dieses Amt zu übernehmen. Scheuen Sie sich nicht, auch über biografische Hintergründe zu sprechen, die Sie zu diesem Schritt bewegen.
  • Falls Sie in der Sache noch wenig bewandert sind, stehen Sie dazu, und zeigen Sie Ihre Entschlossenheit, falls Sie gewählt werden, sich mit Hochdruck um den Erwerb der erforderlichen Kenntnisse zu bemühen.
  • Betonen Sie, dass Sie den engen Kontakt zu den schwerbehinderten Kolleginnen und Kollegen suchen werden und auch Ansprechpartner sein wollen für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern mit ernsten gesundheitlichen Sorgen und Schwierigkeiten am Arbeitsplatz.

Wenn Sie wiedergewählt werden wollen:

  • Nutzen Sie Ihre Präsentation, einen kurzen Rückblick auf die vergangenen vier Amtsjahre zu geben. Es müssen nicht nur Erfolgsmeldungen sein. Was habe ich erreicht? Was war schwierig? Was hat sich in den letzten Jahren im Betrieb verändert – mit welchen Auswirkungen auf die SBV-Arbeit und die Lage der schwerbehinderten Menschen im Betrieb? Wie hat sich die Zusammenarbeit mit dem Arbeitgeber und mit dem Betriebsrat entwickelt?
  • Was erwartet uns in der Zukunft? Worauf will ich den Schwerpunkt legen?
  • Was erwarten die Kolleginnen und Kollegen von mir? Was wünsche ich mir von ihnen?

In welchem Rahmen können Sie sich als Kandidat profilieren?

Zunächst bieten sich die klassischen Instrumente der öffentlichen Betriebskommunikation an: die Schwerbehinderten- sowie die Betriebs- und Abteilungsversammlung. Dank der Entwicklung des Schwerbehindertenrechts in diesem Jahrzehnt ist die SBV längst aus der versteckten Nische der „Lobby“-Arbeit für die kleine Minderheit der schwerbehinderten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter herausgetreten. Außerdem hat der Präventionsgedanke im Zuge dieser Entwicklung stark an Bedeutung gewonnen. Dies veränderte auch das Bild der SBV und ihrer Funktion im Betrieb. Prävention kann nur erreicht werden, wenn die SBV, wegen ihrer spezifischen Kompetenz mehr noch als der Betriebsrat, als Ansprechpartner auch von denen wahrgenommen wird, die gesundheitlich gefährdet oder, wie es im Gesetz heißt, von (Schwer-)Behinderung bedroht sind. Also von allen Beschäftigten. Betriebs- und Abteilungsversammlungen bieten genau jene Plattform, die es den SBV-Kandidaten erlaubt, sich und ihr persönliches Verständnis ihrer (künftigen) Aufgabe als Vertrauensperson vorzustellen. So knapp wie möglich, 2–3 Minuten genügen. Wer vor der Wiederwahl steht und einen kurzen Rückblick auf die letzte Amtsperiode geben will, wird ein paar Minuten mehr benötigen. Lesen Sie Ihren Text nicht einfach vom Blatt ab, sondern sprechen Sie möglichst frei , unterstützt von Stichpunkten, die Sie auf ein Blatt oder eine Karteikarte notiert haben.

Nutzen Sie außerdem alle Medien, die in der betrieblichen Kommunikation üblich sind: angefangen vom klassischen Aushang an Infotafeln („Schwarzes Brett“) über E-Mail-Verkehr und Intranet bis hin zu Print-Medien, die in der Regel in periodischen Abständen Informationen unter die Leute bringen. Diese Medien bieten Ihnen auch die Möglichkeit, etwas detaillierter den einen oder anderen Punkt, der Ihnen wichtig ist, auszuführen, ein Bild von Ihnen (muss kein Passbild sein) und Ihre Vita zu veröffentlichen. Kontaktdaten, über die Sie erreichbar sind, vielleicht nicht nur für die Gruppe der SBV-Wähler, runden Ihre Präsentation ab.

Bewährt hat sich auch die Praxis, diese Selbstpräsentation, verbunden mit Informationen zur Durchführung der Wahl, mit persönlicher Post an die Wähler zu schicken.

Und schließlich: Nehmen Sie face-to-face- oder telefonischen Kontakt auf mit den Kolleginnen und Kollegen in Ihrem betrieblichen Umfeld, aber auch, wenn möglich, darüber hinaus (z. B. wenn die Zuständigkeit der SBV mehrere Betriebe umfasst). In erster Linie sind natürlich die schwerbehinderten Kolleginnen und Kollegen Ihre Zielgruppe, sofern Sie Kenntnis von ihrer Behinderung haben (etwa weil Sie bereits Vertrauensperson sind und berechtigten Zugang zu den einschlägigen Personaldaten haben oder über die Wählerliste). Wenn Sie die persönliche Begegnung suchen, achten Sie auf die gebotene Diskretion. Nicht jeder freut sich über Besuch vom Schwerbehindertenvertreter am Arbeitsplatz, wenn es andere mitbekommen. Bei Unsicherheit kann ein Telefonanruf Klarheit bringen. Aber es kann nicht schaden, zufällige Kontakte auch zu nicht behinderten Menschen zu nutzen, um über Ihre Kandidatur zu sprechen. An dieser Stelle sei darauf hingewiesen, dass Sie die Führungskräfte nicht ausschließen sollten. Zum einen kann die eine oder andere selbst zu Ihrer Klientel gehören oder eigene ernste gesundheitliche Sorgen haben, zum anderen können Sie von ihnen wichtige Informationen über einschlägige Probleme in ihren Abteilungen erhalten. Nur wer mit anderen redet, erfährt auch was.

Sich durch Engagement das Vertrauen verdienen – schon vor der Wahl!

Ob Sie als engagierter Vertrauensmann und Vertrauensfrau wahrgenommen werden, erweist sich nicht erst nach der Wahl, sondern schon davor. In der Art, wie Sie auf die Menschen zugehen, wie Sie kommunizieren und informieren, wie Sie ein eigenes, persönliches Profil als Bewerberin oder Bewerber erkennbar werden lassen, wie Sie aus einer Situation, in diesem Falle aus der Wahl, mehr machen, als von Ihnen verlangt werden kann. Und frisch gewählt, machen Sie Nägel mit Köpfen und erarbeiten einen persönliches Konzept für die beginnende Amtsperiode. Auch dabei unterstützt Sie im nächsten Jahr Poko gerne mit seinem speziellen Seminar SBV - Aktuell.

Zu Ihrem Engagement wünsche ich Ihnen viel Mut und gute Ideen, damit Sie nach dem Wahlerfolg sagen können, er wurde Ihnen nicht geschenkt (etwa weil Sie keinen Gegenkandidaten hatten), sondern Sie haben sich das Vertrauen Ihrer Wähler redlich verdient.
Peter Waltner

Ihr Bahnvorteil