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Betriebsratssitzung

1. Einberufung der Betriebsratssitzung
In der Regel kann nur der Betriebsratsvorsitzende oder dessen Stellvertreter die Betriebsratssitzung einberufen.
Er bestimmt auch den Zeitpunkt und die Dauer der Sitzungen. Durch entsprechende Regelung in der Geschäftsordnung oder durch sonstigen Beschluss des Betriebsrats können regelmäßig wiederkehrende Sitzungen vorgesehen werden.

2. Die rechtzeitige Ladung zur Betriebsratssitzung
Hierzu muss zunächst eine entsprechende Einladung durch den Betriebsratsvorsitzenden erfolgen, die zwar formlos sein kann, aber mindestens Tag, Uhrzeit, Ort der Sitzung und die Tagesordnung enthält. Einzuladen sind sämtliche Betriebsratsmitglieder, bei Verhinderung die entsprechenden Ersatzmitglieder, die Schwerbehindertenvertretung und bei bestehenden Teilnahmerechten auch die Jugend- und Auszubildendenvertretung. In besonderen Fällen kann auch ein Beauftragter der Gewerkschaft oder sogar der Arbeitgeber an der Sitzung teilnehmen.
Achtung: Die Einladung zur Betriebsratssitzung muss rechtzeitig und unter Mitteilung der Tagesordnung erfolgen! Dies gehört zu den wesentlichen und unverzichtbaren Verfahrensvorschriften, von denen auch die Rechtswirksamkeit von Betriebsratsbeschlüssen abhängig ist. Rechtzeitig bedeutet, dass die Einladung so zeitig erfolgen muss, dass die Teilnehmer sich auf die Sitzung einstellen, sich ausreichend auf die Sitzung vorbereiten und dem Vorsitzenden eine eventuelle Verhinderung mitteilen können.

3. Die Tagesordnung
Die Ladung zur Sitzung muss unter Mitteilung der Tagesordnung erfolgen (§ 29 Abs. 2 Satz 3 BetrVG). Diese legt der Vorsitzende nach pflichtgemäßem Ermessen unter Berücksichtigung der anstehenden Beratungsgegenstände fest. Die Tagesordnung muss die zu behandelnden Punkte möglichst konkret bezeichnen, damit sich alle Sitzungsteilnehmer darauf einstellen und ausreichend vorbereiten können. Deshalb reichten pauschale Sammelbezeichnungen, wie z. B. »Verschiedenes«, bisher nicht aus.

So war es zumindest bis zur aktuellen Rechtsprechungsänderung durch die Entscheidungen des BAG vom 22. Januar 2014 (7 AS 6/13) und 9. Juli 2013 (1 ABR 2/13 (A)).

Im neu entschiedenen Fall war mit E-Mail vom 12. November 2009 zu einer Klausurtagung vom 14. bis 16. Dezember 2009 ohne Beifügung einer Tagesordnung geladen worden. An der Tagung und Abstimmung über eine Betriebsvereinbarung nahmen 16 der 19 Mitglieder des Betriebsrats teil.

Nach der bisherigen Rechtsprechung wäre der in der Abstimmung gefasste Beschluss unwirksam. Nach der erfolgten Rechtsprechungsänderung ist er wirksam.

Der Begründung der Rechtsprechungsänderung kann der deutliche Hinweis entnommen werden, Betriebsratssitzungen ernst zu nehmen und die Teilnahme an den Sitzungen nicht nach „Wichtigkeit“ der Tagesordnung zu entscheiden. Sie birgt allerdings auch das Risiko, dass bei der Tagesordnung und Vorbereitung der Sitzungen im Vorfeld „geschlurrt“ wird, da Versäumnisse jetzt einfacher in der Sitzung „geheilt“ werden können.

Die Entscheidung ist umso interessanter als sich das Bundesarbeitsgericht dort außerdem mit einer recht „pikanten“ Betriebsvereinbarung „Torkontrolle“ zu befassen hatte, die in der entsprechenden Betriebsratssitzung beschlossen wurde. Diesbezüglich hat das BAG entschieden, dass die vereinbarten Torkontrollen im konkreten Fall inhaltlich nicht zu beanstanden waren. Und die Betriebsvereinbarung eben auch durch wirksamen Betriebsratsbeschluss zustande kam, obwohl nicht mit Tagesordnung geladen und nicht vollzählig beschlossen wurde.

Dazu folgende weitere Beispiele:

  1. 1) Am 13.01. lädt der Betriebsratsvorsitzende alle Mitglieder des 9-köpfigen Betriebsrats zur Betriebsratssitzung am 19.01. ein. Am 19.01. kurz vor der Betriebsratssitzung bekommt der Betriebsratsvorsitzende vom Arbeitgeber umfassende Informationen zur Kündigung eines Mitarbeiters. Diese bringt der Betriebsratsvorsitzende in der Sitzung ein und schlägt die Ergänzung der Tagesordnung um diesen Punkt vor. Der neue Tagesordnungspunkt wird einstimmig von den 8 anwesenden Betriebsratsmitgliedern (ein Betriebsratsmitglied erscheint unentschuldigt nicht zur Sitzung) beschlossen, ausführlich erörtert und ein entsprechender Beschluss gefasst.
  2. 2) Am 13.01. lädt der Betriebsratsvorsitzende alle Mitglieder des 9-köpfigen Betriebsrats zur Betriebsratssitzung am 19.01. ein. Ein Betriebsratsmitglied ist verhindert und es wird das entsprechende Ersatzmitglied geladen. Am 19.01. kurz vor der Betriebsratssitzung bekommt der Betriebsratsvorsitzende vom Arbeitgeber umfassende Informationen zur Kündigung eines Mitarbeiters. Diese bringt der Betriebsratsvorsitzende in der Sitzung ein und schlägt die Ergänzung der Tagesordnung um diesen Punkt vor. Der neue Tagesordnungspunkt wird einstimmig von den 9 Betriebsratsmitgliedern (8 „Originären“ und dem Ersatzmitglied) beschlossen, ausführlich erörtert und ein entsprechender Beschluss gefasst.

Nach der bisherigen Rechtsprechung waren diese Beschlüsse unwirksam. Nach der erfolgten Rechtsprechungsänderung sind die Beschlüsse wirksam.

So kam die Rechtsprechungsänderung zustande:

Der 1. Senat des BAG hat am 9. Juli 2013 entschieden (1 ABR 2/13 (A)), dass er die Auffassung vertreten möchte , dass die Ladung zu einer Betriebsratssitzung ohne Mitteilung der Tagesordnung nicht zur Unwirksamkeit eines in dieser Betriebsratssitzung gefassten Beschlusses führt, wenn sämtliche Mitglieder des Betriebsrats rechtzeitig geladen sind, der Betriebsrat beschlussfähig im Sinne des § 33 Abs. 2 BetrVG ist und die anwesenden Betriebsratsmitglieder einstimmig beschlossen haben, über den Regelungsgegenstand des später gefassten Beschlusses zu beraten und abzustimmen. Nicht erforderlich ist, dass in dieser Sitzung alle Betriebsratsmitglieder anwesend sind.

Damit wich der 1. Senat von der Rechtsprechung des 7. Senats (10. Oktober 2007 - 7 ABR 51/06) ab und hat daher per Vorlagebeschluss beim 7. Senat angefragt, ob dieser bei seiner Rechtsauffassung bleiben möchte oder die Rechtsprechungsänderung mit trägt.

Der 7. Senat hat nun am 22. Januar 2014 entschieden (7 AS 6/13), dass er an seiner bisherigen Rechtsprechung nicht festhält. Der 1. Senat wird nun zu gegebenen Zeitpunkt das Verfahren 1 ABR 2/13 abschließend entscheiden.

Für die Änderung der Rechtsprechung führen 1. und 7. Senate u. a. folgende Gründe an:

Zwar sei gemäß § 29 Abs. 2 Satz 3 BetrVG die dort ausdrücklich angeordnete Ladung der Betriebsratsmitglieder einschließlich etwaiger Ersatzmitglieder unter Mitteilung der Tagesordnung als wesentlich für die Wirksamkeit eines in der Sitzung gefassten Betriebsratsbeschlusses anzusehen.

Für die Heilung eines Fehlers in diesem Bereich reiche es nach dem Zweck dieser Ladungsvorschrift jedoch aus, dass alle Betriebsratsmitglieder einschließlich erforderlicher Ersatzmitglieder rechtzeitig zur Sitzung geladen worden sind und die beschlussfähig (§ 33 Abs. 2 BetrVG) Erschienenen in dieser Sitzung eine Ergänzung oder Erstellung der Tagesordnung einstimmig beschließen.

Das bislang angeführte Argument, ein verhindertes Betriebsratsmitglied müsse anhand der zuvor erfolgten Mitteilung der Tagesordnung Gelegenheit haben, seine Betriebsratskollegen außerhalb der Sitzung über seine Auffassung zu unterrichten und sie hiervon zu überzeugen trage nicht. Im Falle der zeitweiligen Verhinderung eines Betriebsratsmitglieds rücke das Ersatzmitglied gemäß § 25 Abs. 1 Satz 1 und Satz 2 BetrVG mit allen Rechten und Pflichten in dessen Stellung ein. Schützenswerte Einflussmöglichkeiten auf die Willensbildung des Gremiums stehen dem zeitweilig verhinderten Betriebsratsmitglied nicht zu.

Die Mitteilung der Tagesordnung diene nicht dazu, dem einzelnen Betriebsratsmitglied die Auflösung einer etwaigen Terminkollision zu ermöglichen. Zwar habe ein Betriebsratsmitglied im Falle einer Pflichtenkollision eigenverantwortlich zu beurteilen, welche Pflicht von ihm vorrangig wahrzunehmen ist. Es darf diese Beurteilung aber nicht davon abhängig machen, ob es die Betriebsratssitzung unter Berücksichtigung der Tagesordnung für wichtig oder unwichtig hält. Jedenfalls verdient ein Betriebsratsmitglied, das eine bestimmte Tagesordnung für unwichtig erachtet, keinen Schutz davor, dass die anwesenden Betriebsratsmitglieder einen weiteren Tagesordnungspunkt einstimmig auf die Tagesordnung setzen.

Das Erfordernis der Einstimmigkeit schützt das einzelne Betriebsratsmitglied davor, über betriebsverfassungsrechtliche Angelegenheiten befinden zu müssen, mit denen es sich aus seiner Sicht noch nicht angemessen befasst und noch keine abschließende Meinung gebildet hat. Um diesen Schutz zu erreichen, wird von ihm lediglich verlangt, der Ergänzung oder der Erstellung einer bisher nicht vorhandenen Tagesordnung ohne Begründung die Zustimmung zu verweigern. Bereits dadurch wird der Betriebsrat an einer abschließenden Willensbildung in der betreffenden Angelegenheit gehindert.

Wenn eine Ergänzung der Tagesordnung bei Heranziehung von Ersatzmitgliedern, also bei Fehlen auch nur eines originär gewählten Betriebsratsmitglieds ausgeschlossen werde, wäre insbesondere in größeren Betriebsräten, bei denen häufig ein oder mehrere Betriebsratsmitglieder zeitweilig verhindert sind, eine Ergänzung der Tagesordnung weitgehend unmöglich. Hierdurch würde aber die praktische Betriebsratsarbeit erheblich erschwert. Dies gelte insbesondere für Angelegenheiten der Mitbestimmung bei personellen Einzelmaßnahmen, in denen dem Betriebsrat nach seiner Unterrichtung nur ein Zeitraum von einer Woche zur Verfügung steht, nach dessen ungenutztem Ablauf die Zustimmung des Betriebsrats als erteilt gilt (vgl. § 99 Abs. 3 Satz 1 und Satz 2, § 102 Abs. 2 Satz 1 und Satz 2 BetrVG).

Betriebsratssitzungen verlaufen nicht immer zur Zufriedenheit der beteiligten Kollegen. Häufig werden sie als zu lang, ermüdend und zu ineffektiv angesehen. „Wir haben 5 Stunden getagt, es wurde viel geredet, aber 'unterm Strich' ist nicht viel dabei herausgekommen."
 Gerade für Betriebsratsvorsitzende oder Kollegen, die Betriebsratssitzungen leiten und moderieren müssen, ist es wichtig, sich Gedanken darüber zu machen, wie Betriebsratssitzungen zufriedenstellender und effektiver gestaltet werden können. Wir möchten Ihnen dazu einige bewährte Praxistipps an die Hand geben:

Sorgen Sie für einen angemessenen Besprechungsrahmen
Achten Sie darauf, dass der Raum in dem die Betriebsratssitzung durchgeführt wird eine angenehme Zusammenarbeit ermöglicht. Seien Sie als Moderator der Betriebsrats-Sitzung selbst als erster da und begrüßen Sie die Teilnehmer persönlich. Damit setzen Sie ein Signal, wie wichtig Ihnen die Sitzung ist. Machen Sie sich klar: Was für Sie selbst Kleinigkeiten sind, kann für die Kollegen große Bedeutung haben.

Bestimmen Sie Ziel- und Zeitrahmen der Tagesordnungspunkte
Machen Sie transparent, wie eingehend und in welchem Zeitrahmen die einzelnen Tagesordnungspunkte (TOPs) behandelt werden sollen. Über welche Punkte wird lediglich informiert? Zu welchem Punkt soll eine Diskussion stattfinden? Worüber muss eine Entscheidung gefällt und ein Beschluss herbeigeführt werden? Hängen Sie die Tagesordnung mit einer ungefähren Zeitstruktur der Sitzung im Sitzungsraum aus. Dadurch ist jedem ersichtlich, wie viel Zeit für die restlichen Tagesordnungspunkte noch zur Verfügung steht.

Setzen Sie einen Themenspeicher ein
Halten Sie Thema, Zeit, Ziel und Ansprechpartner für einzelne TOPs und Themen in einer Tabelle fest, die Sie im Sitzungsraum aufhängen. Dieser Themenspeicher hilft Ihnen, während der Sitzung den roten Faden zu behalten: Werden Beiträge beigesteuert, die von der gegenwärtigen Diskussion wegführen, schreiben Sie diese einfach in den Speicher und greifen Sie diese später bzw. zur nächsten Betriebsratssitzung wieder auf. Dadurch werden Anregungen und Ideen, die vielleicht zu einem jetzigen Tagesordnungspunkt nicht passen bzw. nicht behandelt werden können, festgehalten und die Kollegen, die diese Anregungen eingebracht haben, fühlen sich ernst genommen.

Erstellen Sie einen Maßnamenkatalog
Halten Sie gemeinsam und für alle gut sichtbar fest, von wem bis wann und auf welche Weise getroffene Entscheidungen bzw. Beschlüsse umgesetzt werden. Vereinbaren Sie auch einen Kontrolltermin.

Holen Sie Feedback ein
Investieren Sie nach der Betriebsratssitzung 5 Minuten Zeit für ein Feedback der Kollegen mit den Fragen: Was ist heute gut gelaufen, was ist schlecht gelaufen, was können wir zur nächsten Betriebsratssitzung verbessern?
Sollte ein offenes Feedback im Gremium nicht möglich sein, können sie auch eine anonyme Punktebewertung einführen, bei der die Kollegen angeben, wie effektiv die Besprechungszeit genutzt wurde. Sprechen Sie auch informell mit den Kollegen über die Qualität der Betriebsratssitzung und fragen Sie nach Möglichkeiten, es besser zu machen.

Der Einsatz von Medien zur Präsentation von Inhalten oder zur besseren Strukturierung der Betriebsratssitzung kann oft sehr hilfreich sein. Es sollte aber darauf geachtet werden, dass bei einer Präsentation der Projektor oder der Beamer das gesprochene Wort lediglich ergänzt und nicht ersetzt! Hier gilt: Weniger ist mehr!

Achten Sie auf Schriftgröße und klare Struktur der Folien, vermeiden Sie zu viele Spielereien und Schriftartenwechsel. Es ist zwar gut, wenn sie das Computerprogramm beherrschen, aber dieses deutlich zu machen, ist nicht Sinn der Präsentation.

Flipchart und Pinwand eignen sich sehr gut als unterstützende Medien in einer Sitzung, da sie unkompliziert und schnell situativ einsetzbar sind. Zudem sind sie Dauermedien, da die Information präsent bleibt, und nicht wie beim Projektor oder Beamer nur solange zur Verfügung steht, wie das Gerät eingeschaltet ist.
Daher eignen sich Flipchart und Pinwand zusätzlich zur schriftlichen Vorlage besonders für das Sammeln und Strukturieren von Diskussionsbeiträgen in Betriebsratssitzungen.

Als sehr praktisch für die Sitzungsarbeit hat sich erwiesen, die Tagesordnung der Sitzung mit der geplanten Zeit für die einzelnen Tagesordnungspunkte auf einer Flipchart aufzuzeichnen. Falls kein Flipchart vorhanden ist, reicht es auch, ein möglichst großes Blatt Papier zu beschriften und für alle gut sichtbar an der Wand aufzuhängen. Diese Methode trägt sehr wirkungsvoll zur zeitlichen Disziplinierung der Diskussionsteilnehmer bei, da für jeden Anwesenden der Fortschritt der Sitzung und der Zeitrahmen für die noch zu bearbeiteten Punkte sichtbar sind.

Auch der Einsatz eines Themenspeichers dient dazu, zeiteffektiver in der Betriebsratssitzung zu arbeiten. Häufig kommen in der Sitzung weitere Nebenthemen auf und ehe man sich versieht, diskutieren die Sitzungsteilnehmer auf einem "Nebenkriegsschauplatz". Für den Vorsitzenden ist es dann häufig recht schwierig wieder "zurück zu rudern". Ein Themenspeicher hat den Vorteil, dass die Beratungen weitergeführt werden können, ohne dass die aufgekommenen neuen Themen verloren gehen. Das "Nebenthema" wird auf dem Flipchart festgehalten und es wird festgelegt, wann dieses Thema behandelt werden soll (z.B. nächste BR-Sitzung). Gegebenenfalls wird noch festgehalten, wer zu diesem Thema weiterführende Informationen besorgen muss. Das ist in der Regel nur ein Zeitaufwand von 1-2 Minuten. Auch hierfür reicht eine Flipchart bzw. ein großes Blatt Papier. Danach kann zügig wieder in die "Hauptdiskussion" eingestiegen werden.

Besonders in festgefahrenen Diskussionen oder bei komplizierten Themen hat sich in der Praxis die Methode der "Kärtchenabfrage" sehr bewährt. Jedes BR-Mitglied schreibt seine Ideen oder Fragen zum Thema möglichst stichpunktartig auf Karten. Immer nur einen Punkt pro Karte. Achten Sie auf die Schriftgröße. Die Karte muss aus der Entfernung für alle lesbar sein. Die Karten werden sofort an eine Pinnwand angeheftet. Es gibt noch keine Bewertungen oder Nachfragen zu den geschriebenen Punkten. Im zweiten Schritt werden die Karten nach Kategorien (möglichst schon vorbereitete Kategorien wählen) gemeinsam geordnet: So kommt man gerade bei schwierigen und zeitintensiven Tagesordnungspunkten sehr schnell zu einem relativ geordneten Meinungsbild des Betriebsratsgremiums, von dem aus es sich viel leichter weiterberaten lässt. Auch mit dieser Methode kann viel Zeit und viel unnötige Diskussion gespart werden.

Betriebsratssitzungen laufen leider nicht immer planmäßig und erfolgreich ab. Häufig sind es Störungen, Missverständnisse und oft auch persönliche Probleme unter den Kollegen, die Betriebsratssitzungen recht schwierig verlaufen lassen können. Wie kann hier vorgegangen werden?

In der Regel verfügt ein motiviertes Betriebsratsteam über ein erhebliches Potenzial, sich selbst zu organisieren und eigene positive Verhaltensnormen zu entwickeln. Die Betriebsratsmitglieder lernen es, sich aneinander anzupassen und "Außenseitern" rückzumelden, wenn sich die Gruppe durch ihre Verhaltensweisen gestört fühlt. Es gibt allerdings Sitzungsteilnehmer, die eine reibungslose Mitarbeit in Sitzungen und Besprechungen schwer machen und deren Verhalten eine wirkungsvolle Betriebsratsarbeit behindern kann. Wenn die übrigen Gruppenmitglieder mit diesen "schwierigen Teilnehmern" nicht fertig werden und die sachliche Arbeit durch sie aufgehalten wird, ist der Sitzungsleiter gefordert, helfend einzugreifen. Hauptziel eines solchen Eingreifens ist es, die Aufmerksamkeit der Gruppe von der Beschäftigung mit den eigenen gruppendynamischen Problemen und der Auseinandersetzung mit dem Problem-Teilnehmer wieder zurück auf die sachliche Arbeit zu lenken.

Ein weiteres Ziel des Sitzungsleiters einer Betriebsratssitzung sollte es sein, aus dem störenden Außenseiter einen anerkannten Kollegen zu machen, der sich an die Spielregeln der Sitzungsteamarbeit hält und konstruktiv mitarbeitet. Dabei kann ihm die Erkenntnis helfen, dass hinter den störenden Verhaltensweisen in den meisten Fällen ein (manchmal übersteigertes) Bedürfnis nach Aufmerksamkeit, Bestätigung und Anerkennung steht. Es hilft in den seltensten Fällen, wenn der Sitzungsleiter einer Betriebsratssitzung sich mit einem "Störer" offen anlegt. Die übrigen Sitzungsteilnehmer haben dann die Tendenz, sich mit dem Angegriffenen gegen den Sitzungsleiter zu solidarisieren, auch wenn sie sich zuvor noch über ihn geärgert haben.

Im Folgenden auszuschließender wir zwei besonders schwierige "Sitzungstypen" - den sogenannten Dauerredner und den aggressiven Sitzungsteilnehmer - vorstellen und Möglichkeiten des Umgehens in Sitzungen mit ihnen vorschlagen:

Der Dauerredner

Sein Kommunikationsproblem besteht darin, dass er meistens nicht zuhören kann und sich auch wenig darum kümmert, ob andere an dem, was er zu sagen hat, gerade Interesse haben und empfangsbereit sind. Weil er schlecht zuhört, spricht er oft am Thema vorbei, kommt "vom Hölzchen aufs Stöckchen" und bekommt deshalb ebenfalls nicht die Anerkennung von den anderen Kollegen, die er durch sein Reden erlangen möchte. In diesem Fall erwartet oft die Gruppe, die ihn nicht stoppen kann, vom Sitzungsleiter Hilfe.

Was der Sitzungsleiter tun kann:

  • ausreden lassen bzw. an geeigneter Stelle durch Bestätigung unterbrechen, seine Rede zusammenfassen, um zu zeigen, dass man ihm zugehört und ihn verstanden hat;
  • ihn auffordern, konkret und präzise sein Anliegen vorzutragen;
  • an Kommunikationsregeln und Redezeit erinnern;
  • Rednerliste führen und verhindern, dass der Vielredner sich zu oft dazwischen drängt;
  • ihn bitten, auch andere reden zu lassen und ihnen zuzuhören;
  • ihn Beiträge anderer wiederholen und zusammenfassen lassen;
  • ihm eine Rolle geben, bei der er zuhören muss (z.B. Protokollführer).

Der aggressive Sitzungsteilnehmer
Aggressive Teilnehmer zeichnen sich dadurch aus, dass sie die sachliche Diskussionsebene verlassen und Argumente, Vorgehensweisen oder Personen angreifen. Während sie in Menschen mit anderer Meinung sofort einen Gegner sehen und ihm einiges (von versteckter Ironie bis hin zu offener Wut) zumuten, reagieren sie selbst gern sehr empfindlich. Daneben gibt es den Typ der "Bollerköpfe", die sich leicht aufregen, aber auch schnell wieder beruhigen und eine Erwiderung auf der gleichen Ebene nicht weiter übel nehmen. Für den Moderator kommt es darauf an, sich nicht provozieren zu lassen oder sich in ein Streitgespräch einzulassen. Im Angesicht von Aggression sollte er ruhig aber fest bleiben.

Was der Sitzungsleiter tun kann:

  • Angriff nicht abwürgen oder sich verteidigen, sondern zeigen, dass man die emotionale Form der Argumentation erkannt hat;
  • zeigen, dass der sachliche Kern der Aussage verstanden wurde;
  • um Konkretisierung (Beispiel, Erklärung) bitten;
  • andere Teilnehmer vor Angriffen in Schutz nehmen, auf Kommunikationsregeln verweisen oder solche einführen;
  • andere Teilnehmer Stellung nehmen lassen;
  • bei Angriffen auf den Sitzungsleiter ein vollständiges Meinungsbild herstellen lassen, um zu sehen, inwieweit die Gruppe hinter dem Angreifer steht.

Betriebsratsvorsitzende können einen schweren Job haben. Einerseits sind sie „Gleiche unter Gleichen“ – andererseits sind sie u.a. verantwortlich für einen guten und rechtssicheren Verlauf der Sitzungen. Ideal wäre natürlich, wenn nach den Sitzungen alle zufrieden sind – sowohl inhaltlich als auch vom Ablauf her – dann können Sie als Vorsitzende/r davon ausgehen, dass Sie erfolgreich geleitet haben! Und Sie können davon ausgehen, dass fast jedes Mitglied sich bereitwillig einbringt.

Sitzungen sind an einem toten Punkt angekommen, Diskussionen drehen sich im Kreis, einzelne Mitglieder stellen wieder und wieder alles in Frage, es machen immer die gleichen die Arbeit – alle anderen schweigen, es wird gefühlt so viel „geschwafelt“, dass einigen die Lust an den Sitzungen vergeht. Mögliches Ergebnis: Beim Auseinandergehen sind sich viele einig: Das hätten wir schneller haben können – so wird das nie was… Passiert das öfter, ist es wahrscheinlich eine Frage der Zeit, bis die Bereitschaft sinkt, sich mit viel Engagement einzubringen. Und spätestens, wenn dieser Effekt einsetzt, beginnt für Betriebsratsvorsitzende die „Leidenszeit“. Es geht immer öfter im Gremium um Schuldzuweisungen, darum wer Recht hat oder besser Bescheid weiß – aus einem Miteinander wird ein zähes Gegeneinander, Fronten bilden sich, Frust macht sich breit.

Natürlich ist das exzellente Leiten einer Sitzung durch Betriebsratsvorsitzende allein kein Garant für gute Ergebnisse - schließlich ist jedes Mitglied für sich selbst verantwortlich. Aber sie haben die Möglichkeit, mit relativ wenig Aufwand und etwas Übung Sitzungen und Kommunikationsstrukturen methodisch so einzubringen, dass enorme Chancen auf ein gesundes Arbeitsklima im Gremium entstehen, die es allen erleichtern, sich konstruktiv einzubringen und die Arbeit auf viele Schultern zu verteilen.

So wird z.B. die Bedeutung von Zielformulierungen für einzelne Tagesordnungspunkte und das Nachdenken über passende Methoden, dieses Ziel zügig zu erreichen, völlig unterschätzt – um nicht zu sagen „belächelt“. Frei nach dem Motto: Das haben wir noch nie gebraucht…

Dabei hat es echten Charme, z.B. einen TOP für eine Sitzung nur mit 30 Minuten anzusetzen und folgendes Ziel festzulegen „Wir haben uns geeinigt, wie wir methodisch vorgehen.“ oder „Es steht fest, welches Ziel wir bei diesem Thema erreichen wollen“ oder „Alle offenen Fragen zu diesem Thema sind formuliert“. Durch dieses Aufteilen von Themen in kleine Pakete auf mehrere Sitzungen und mit der Klarheit, was nach dem TOP erreicht ist, entsteht ein wunderbarer Effekt. Meist sind diese Ziele in relativ kurzer Zeit tatsächlich erreicht. Die Konzentrationsfähigkeit ist häufig bei allen auf den Punkt da. Ein kurzer Zeitblock mit einem kleinen Ziel ist leichter zu moderieren und das Erfolgsgefühl motiviert die Gruppe, weil alle sehen, dass sie das Ziel gemeinsam erreicht haben. Natürlich könnten Sie jetzt sagen „dann werden wir ja nie fertig…“. Ich habe damit eine andere Erfahrung gemacht: Dieses Vorgehen geschickt bei den passenden TOP eingesetzt, kann Gremiumsarbeit sehr beleben. Probieren Sie es einfach mal aus: Denn so macht das Leiten von Sitzungen allen Spaß!