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Verlängerung oder Verkürzung der Ausbildungszeit

von Marie Grunden
Dipl.-Jur.

Marie Grunden

Wie lange die Ausbildung in der Regel dauert, bestimmt sich nach der Ausbildungsordnung. Die jeweils geltenden Ausbildungsordnungen könnt ihr für viele Ausbildungsberufe frei im Internet aufrufen. Hiernach beträgt die Ausbildungsdauer in der Regel 3 - 3,5 Jahre.
  
Dass die Ausbildungszeit unter bestimmten Voraussetzungen verkürzt werden kann, hat wohl jeder schon einmal gehört. Aber wie genau funktioniert das eigentlich und was ist dabei zu beachten? Welche Fristen sind einzuhalten und was bedeutet eine Verkürzung oder Verlängerung für das Ausbildungsgehalt?

Damit ihr den Auszubildenden in eurem Betrieb jederzeit beratend zur Seite stehen könnt, wenn es um Fragen im Zusammenhang mit der Ausbildungszeit geht, haben wir euch im Folgenden die wichtigsten Informationen zu diesem Thema zusammengestellt.

Zunächst zur Verkürzung:

Eine Verkürzung kann bereits mit Abschluss des Ausbildungsvertrags oder während der laufenden Ausbildung geregelt werden, wenn einer der folgenden Gründe vorliegt:

I. Verkürzung nach § 7 BBiG wegen beruflicher Vorbildung

Ein typischer Grund für eine anfängliche Verkürzung liegt vor, wenn der Auszubildende bereits eine berufliche Vorbildung hat. Dies ist insbesondere der Fall, wenn er eine Berufsfachschule besucht oder ein Berufsgrundbildungsjahr absolviert hat. Die Entscheidung, ob und in welcher Höhe die berufliche Vorbildung angerechnet werden kann, ist allerdings Ländersache und so kann es sein, dass in verschiedenen Bundesländern unterschiedliche Anrechnungszeiten gelten. Die Anrechnung muss zu Beginn der Ausbildung von Auszubildendem und Ausbilder gemeinsam bei der zuständigen Stelle beantragt werden. Bei minderjährigen Auszubildenden ist darüber hinaus die Unterschrift der Erziehungsberechtigten erforderlich.

Wer seine Ausbildung von Anfang an nach § 7 BBiG verkürzen konnte, bekommt in der Regel auch von Anfang an ein höheres Ausbildungsgehalt, da die angerechnete Zeit als absolvierte Ausbildungszeit gewertet wird. Wenn dem Auszubildenden also z. B. ein Jahr angerechnet wird, bekommt er gleich von Beginn an die Ausbildungsvergütung für das zweite Ausbildungsjahr.

II. Verkürzung nach § 8 BBiG

Eine Verkürzung der Ausbildungszeit ist danach möglich, wenn der Auszubildende auch in der gekürzten Zeit voraussichtlich das Ausbildungsziel erreicht. Auch in diesem Fall muss ein entsprechender Antrag bei der zuständigen Stelle vom Auszubildendem und seinem Ausbilder gemeinsam gestellt werden - gegebenenfalls müssen auch die Erziehungsberechtigten unterschreiben. Das kann entweder schon bei Vertragsabschluss oder auch noch im Laufe des Ausbildungsverhältnisses - in der Regel bis spätestens ein Jahr vor dessen Beendigung - passieren. Bei einer Verkürzung nach § 8 BBiG besteht allerdings - anders als bei der Verkürzung nach § 7 BBiG - normalerweise kein Anspruch auf höhere Vergütung. Der Auszubildende beginnt also mit dem Gehalt des ersten Ausbildungsjahres.

Anhaltspunkte für die Erwartung des vorzeitigen Erreichens des Ausbildungsziels können sich zum Beispiel ergeben aus:

-  Schulischer Vorbildung

Sowohl mit einem Realschulabschluss als auch mit dem Abitur kann eine Ausbildungsverkürzung in Betracht kommen.

- Vorangegangenen Ausbildungszeiten

Das kann zum Beispiel der Fall sein, wenn der Auszubildende seine Ausbildung in demselben Ausbildungsberuf aber in einem anderen Ausbildungsbetrieb als bisher weiterführt oder, wenn er den Ausbildungsberuf wechselt und eine neue Ausbildung im selben Betrieb aber einem anderen, ähnlichen Ausbildungsberuf mit im Wesentlichen identischer Grundausbildung beginnt. Der Auszubildende muss dann nicht „bei null“ anfangen, er hat ja bereits Vorkenntnisse gesammelt und das ist ihm auch in gewissem Umfang anzurechnen. In diesem Fall kann auch ausnahmsweise bereits ein Anspruch auf die höhere Ausbildungsvergütung bestehen.

- Berufserfahrung

Auch vorangegangene Berufserfahrung kann ein Grund für die Ausbildungsverkürzung sein. Zur Berufserfahrung in diesem Sinn gehört jede einschlägige berufliche Grundbildung, Berufstätigkeit oder Arbeitserfahrung im jeweiligen Berufsfeld.

- Ausbildungsverkürzung durch Teilzeitberufsausbildung

Die Teilzeitberufsausbildung stellt einen Sonderfall dar, den § 8 Abs. 1 S. 2 BBiG regelt. Die Ausbildungsdauer (z. B. 3 Jahre) ändert sich dadurch nicht. Bei berechtigtem Interesse können Auszubildender und Ausbilder aber bei der zuständigen Stelle beantragen, dass die tägliche oder wöchentliche Ausbildungszeit verkürzt wird. Dafür erhält der Auszubildende dann aber normalerweise auch nur ein anteiliges Ausbildungsgehalt.

Diese Regelung soll denjenigen entgegenkommen, die aus besonderen Gründen im privaten Umfeld stärker eingespannt sind als andere, zum Beispiel Auszubildende, die neben ihrer Ausbildung ein Kind zu betreuen oder einen nahen Angehörigen zu pflegen haben.

III. Verkürzung nach § 45 BBiG

Diese Möglichkeit kommt erst in Betracht, wenn der Auszubildende im Wesentlichen alle vorgesehenen Ausbildungsabschnitte durchlaufen hat. Wenn der Auszubildende gegen Mitte seiner Ausbildungszeit - in der Regel nach der Zwischenprüfung – dann überdurchschnittliche Leistungen in der Berufsschule und im Betrieb erzielt hat, kann er einen Antrag auf vorzeitige Zulassung zur Abschlussprüfung stellen. Wird der Auszubildende zur vorzeitigen Prüfung zugelassen und besteht diese, so endet die Ausbildung vorzeitig mit der Bekanntgabe des Prüfungsergebnisses durch den Prüfungsausschuss.

Nun zur Verlängerung:

In Ausnahmefällen kann eine Ausbildung auch verlängert werden. Das ist insbesondere geregelt in § 8 Abs. 2 BBiG, wonach eine Verlängerung in Betracht kommt, wenn das Ausbildungsziel nicht innerhalb der Ausbildungszeit erreicht werden kann.

Auch für eine Verlängerung muss vom Auszubildenden ein Antrag bei der zuständigen Stelle gestellt werden. Vor der Entscheidung wird der Ausbilder zu der Situation angehört.

Eine Verlängerung kommt nur in außergewöhnlichen Fällen in Frage, die die Ausbildung planwidrig erschwert haben. Typische Gründe können zum Beispiel sein: eine Krankheit, die sich über mehrere Wochen zieht, eine mangelhafte Ausbildung im Betrieb oder eine Behinderung des Auszubildenden.

Im Fall einer Verlängerung kann der Auszubildende keine weitere Erhöhung der Ausbildungsvergütung verlangen, soweit nicht ein Tarifvertrag etwas anderes regelt.

Neben § 8 Abs. 2 BBiG gibt es auch noch die Möglichkeit einer Ausbildungsverlängerung wegen nicht bestandener Abschlussprüfung nach § 21 Abs. 3 BBiG. Außerdem verlängert sich die Ausbildung bei Inanspruchnahme von Elternzeit, da diese nach § 20 Abs. 1 S. 2 BEEG nicht auf Berufsausbildungszeiten angerechnet wird. 

Tipp: Wenn der Auszubildende sich unsicher ist, ob eine Verkürzung oder Verlängerung für ihn in Betracht kommt, kann er sich auch an die zuständige Stelle wenden (z. B. IHK, Landwirtschaftskammer, HWK etc.), die bei Fragen rund um das Thema weiterhelfen kann.