Societas Europaea

Die Europäische Aktiengesellschaft ist eine seit Oktober 2004 für ganz Europa (EU und EWR) mögliche übernationale Rechtsform für eine Kapitalgesellschaft. Sie kann in einem Lande gegründet und ohne weiteres in einen anderen Staat verlegt werden. Die Societas Europaea bietet europäischen Unternehmen die Möglichkeit, EU-weit als rechtliche Einheit mit nationalen Niederlassungen/Betriebsstätten aufzutreten. Europaweit tätigen Firmen ermöglicht die Societas Europaea, ihre Geschäfte in einer Holding zusammenzufassen und Tochtergesellschaften mit europaweit geltenden Normen zu gründen.
Die Leitung beziehungsweise Geschäftsführung einer Europäischen Gesellschaft kann (wie in Mitteleuropa üblich) in Vorstand und Aufsichtsrat geteilt oder wie im angelsächsischen Rechtsraum ein Board of Directors mit exekutiven und nicht exekutiven Managern sein. In Deutschland und Österreich wird dieses Board Verwaltungsrat genannt. Die Gründer müssen sich in der Satzung zwischen dem dualistischen und dem monistischen Modell entscheiden.
Die Frage, wie hier die Arbeitnehmerbeteiligung hinsichtlich Information/Konsultation und Mitbestimmung erfolgen soll, ist über eine Verhandlungslösung zu lösen. Im Falle der Nichteinigung gelten die nationalen Regelungen als Auffanglösungen. Ohne vorherige Verhandlungen über die Mitwirkung der Arbeitnehmer kann allerdings keine Europäische Aktiengesellschaft gegründet werden.


Das ein von den Arbeitnehmern gewählte Besonderes Verhandlungsgremium (BVG) und die Vertreter der Gründungsgesellschaft(en) sollen eine Beteiligungsvereinbarung schaffen. Kommt es während der auf sechs Monate angelegten Verhandlungen, welche auf bis zu ein Jahr ausgedehnt werden kann, nicht zu einer Einigung, greift eine sogenannte Auffanglösung, die sich an dem höchsten bisherigen Mitbestimmungsgrad in einer der beteiligten Gesellschaften bemisst, aus denen die Societas Europaea hervorgegangen ist.
In Deutschland firmieren von den großen Gesellschaften unter anderem die Allianz (seit 13. Oktober 2006), Fresenius (seit 13. Juli 2007) und BASF (seit 14. Januar 2008) als Societas Europaea, wobei alle drei das dualistische Leitungssystem bunter Beibehaltung der quasi-paritätischen Mitbestimmung im Aufsichtsrat als Leitungsmodell vereinbart haben. Die Aufsichtsräte wurden auf 12 Mitglieder verkleinert sowie der Wegfall des Sitzes der leitenden Angestellten vereinbart.
Mitte 2012 gab es 1286 "Europäische Aktiengesellschaften". 213 davon sind "normale" Societas Europaea, das heißt: hinter ihnen steht tatsächlich eine operativ tätige Gesellschaft ab 5 Arbeitnehmern. Etwa 100 befinden sich in Deutschland.