Gleichstellung: Karrierechancen und Bezahlung von Frauen

Gleichstellung: Karrierechancen und Bezahlung von FrauenAm 8. März war Weltfrauentag. Das nahm das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut der Hans-Böckler-Stiftung zum Anlass, die Gleichstellung in deutschen Unternehmen unter die Lupe zu nehmen. Den Report finden Sie hier

Im Vergleich zu den letzten Jahren scheinen die Frauen zwar aufgeholt zu haben, eine tatsächliche Gleichstellung sei aber noch in weiter Ferne. Die durchschnittliche berufliche, wirtschaftliche und soziale Situation von Frauen sei nach wie vor schlechter als die von Männern.

Erwerbsbeteiligung von Frauen

In schulischer und beruflicher Hinsicht haben Frauen weitgehend aufgeholt und gleichgezogen. Ihre Erwerbsbeteiligung liegt derzeit um knapp 8 Prozentpunkte niedriger als die der Männer. Als Hauptgrund dafür wird der hohe Anteil der unbezahlten Sorgearbeit gesehen, d. h. Kinderbetreuung, Pflege oder Haushalt. Diese mache 45 % der Gesamtarbeitszeit aus. Bei Männern hingegen seien es nur 28 %. Und Frauen arbeiten viermal so häufig in Teilzeit wie Männer. Dahinter stecke der Wunsch dadurch Familie und Erwerbsarbeit unter einen Hut zu bringen.

62 % derjenigen, die nur einen Minijob haben, sind weiblich.

Gender Pay Gap

Das führe dazu, dass die Karrierechancen der Frauen geringer seien. Ihr durchschnittlicher Stundenlohn liege daher knapp 21 % unter dem der Männer.

Ein weiterer Grund für die schlechtere Bezahlung seien möglicherweise die Präferenzen bei der Berufswahl. Es gebe typisch weibliche Berufe, wie z. B. im Pflege- und Gesundheitsbereich. Diese werden meistens schlechter entlohnt als die häufig technischen Berufe der Männer.

Ein Viertel der weiblichen Beschäftigten mit Vollzeitstelle verdiene monatlich weniger als 2.000 Euro brutto. Bei den Männern seien es im Vergleich nur 14 %. Positiv sei allerdings, dass der Abstand bei den Gehältern in den vergangenen Jahren geringer geworden sei.

Alterssicherung

Bei der Alterssicherung sei die Lücke zwischen den Geschlechtern jedoch gravierender. Frauen erhalten ein um 53 % niedrigeres Alterseinkommen als Männer – nehme man die gesetzliche Rente, betriebliche und private Alterssicherung zusammen. Sehr, sehr langsam werde die Lücke allerdings geringer. Anfang der 90er Jahre lag der Gender Pension Gap noch bei 69 %.

Angebote zur Kinderbetreuung

Die Plätze für Ganztagesbetreuung von 3- bis 6-jährigen Kindern hab sich zwischen 2007 und 2017 knapp verdoppelt. Bei unter 3-Jährigen sogar fast verdreifacht. Der Betreuungsbedarf werde allerdings immer noch nicht gedeckt.

Frauen in Führungspositionen

In den Aufsichtsräten der 160 größten börsennotierten Unternehmen stieg der Frauenanteil mit Einführung der Geschlechterquote bis 2018 auf ca. 30 %. Jedoch nur, wenn auch Vertreterinnen und Vertreter der Beschäftigten im Kontrollgremium sitzen. Seien die Unternehmen nicht mitbestimmt, liege der Anteil nur bei knapp 20 %. Nur 9 % der Unternehmens-Vorstände in mitbestimmten Firmen, in denen es keine gesetzlichen Regeln gibt, sei weiblich. In nicht-mitbestimmten Unternehmen seien es nur knapp 6 %.

Die WSI-Analyse zeige aber auch, dass das Geschlechterverhältnis auf der zweiten Führungsebene ausgeglichener sei. Dort liege der Frauenanteil bei 40 %. Relativ nah am Frauenanteil an allen Beschäftigten, der bei 44 % liege.

Ähnlich sei die Relation der weiblichen Betriebsratsmitglieder und deren Belegschaftsanteil.

Fazit

Die Frauen holen zwar langsam auf, es gibt aber bei der strategischen Personalplanung noch sehr viel zu tun, damit man wirklich von Gleichstellung sprechen könne.

2 Comments

  1. Toronto31 said:

    Guter Beitrag. Wurde dabei auch berücksichtigt, ob die Qualifikationen gleich sind? Wenn bei gleicher Finanzausbildung (als Beispiel) das der Fall wäre, dann fände ich den Unmut verständlich. Doch ist das auch so? Wäre mal ganz interessant.

    30. Mai 2020
    Reply
    • Petra Wagner said:

      Da haben Sie Recht, das wäre interessant zu wissen. Leider geht das aus dem Report nicht hervor.

      23. Juni 2020
      Reply

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