Mehr Frauen in den BR – Oder: Neue Frauen braucht der BR!

Überall dort, wo es was zu bewegen gibt, finden sich mehr Männer als Frauen ein. Führungspositionen werden zum Großteil von Männern besetzt, es gründen mehr Männer als Frauen einen Betriebsrat und auch innerhalb der BR-Gremien verhält es sich häufig so, dass dort das männliche Geschlecht stärker vertreten ist.

Lassen Sie uns einmal spekulieren, warum das so sein könnte: WICHTIG – dies sind nur Hypothesen, die keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben:

  1. Frauen arbeiten häufiger in Teilzeit als Männer und haben Sorge, durch die BR-Tätigkeit nicht mehr ihr Arbeitspensum zu schaffen.
  2. Frauen kümmern sich häufig neben der Arbeit um Kinder, Haushalt, die Partnerschaft, das Freizeitprogramm – da ist es wenig verlockend, sich auch noch den Bereich der BR-Arbeit aufzubürden.
  3. Frauen trauen sich weniger zu und haben Sorge im Geflecht von Paragraphen, Regeln und Bestimmungen innerhalb der BR-Tätigkeit den Überblick zu verlieren.
  4. Frauen haben deshalb eher Bedenken keine gute BR-Arbeit zu leisten und verzichten daher lieber auf den Bereich der Mitbestimmung
  5. Frauen glauben, dass es schwierig ist sich gegen die Männermehrheit im Gremium durchzusetzen, geschweige denn mit den Führungsverantwortlichen zu diskutieren.
  6. Frauen befürchten, dass ihnen durch die Tätigkeit als BR, Ansehen und Wohlwollen im Team und seitens der eigenen Führungskräfte verloren gehen.

Und für den Fall, dass Sie als Frau jetzt diesen Artikel lesen, danke ich Ihnen, dass Sie bis hierher durchgehalten haben, weil sicherlich einige der Punkte, die ich oben aufgelistet habe etwas provokant sind.

Schauen wir einmal dahin, was mittlerweile wissenschaftlich zum Thema Frauen im Arbeitskontext erhoben wurde: Frauen agieren und entscheiden häufig umsichtiger als Männer. Eine sehr wertvolle Eigenschaft, die vor Fehlern und zu schnellen, unbedachten Entscheidungen schützt. Und es ist auch erwiesenermaßen so, dass heterogene Teams, also Teams, die aus Frauen und Männern bestehen, effektiver sind als Teams in denen nur ein Geschlecht aktiv ist.

Stellt sich Ihnen nun vielleicht die Frage, was habe ich denn davon, wenn ich in den BR gehe außer mehr Arbeit und mehr Ärger? Dann schaue ich gerne mit Ihnen durch eine andere Brille auf die o. g. Punkte:

  1. Frauen arbeiten häufiger in Teilzeit als Männer und haben Sorge durch die BR-Tätigkeit nicht mehr ihr Arbeitspensum zu schaffen.
    – BR-Tätigkeit geht vor beruflicher Tätigkeit, das ist rechtlich definiert und das weiß jeder Vorgesetzte. Sie sind also rechtlich geschützt, wenn Sie BR-Aufgaben erledigen. Sie müssen für die Zeit der BR-Tätigkeit ohne Wenn und Aber freigestellt werden.
  2. Frauen kümmern sich häufig neben der Arbeit um Kinder, Haushalt, die Partnerschaft, das Freizeitprogramm – da ist es wenig verlockend, sich auch noch den Bereich der BR-Arbeit aufzubürden.
    – Weil Sie rechtlich während Ihrer Arbeitszeit freigestellt sind, können Sie sich nach Feierabend ihren Liebsten zuwenden.
  3. Frauen trauen sich weniger zu und haben Sorge im Geflecht von Paragraphen, Regeln und Bestimmungen innerhalb der BR-Tätigkeit den Überblick zu verlieren.
    – Die BR-Tätigkeit sieht vor, dass Sie sich im Rahmen von Seminaren das Wissen aneignen, welches für Ihre Tätigkeit sinnvoll ist. Wann und wo, das entscheiden Sie.
  4. Frauen haben deshalb eher Bedenken keine gute BR-Arbeit zu leisten und verzichten daher lieber auf den Bereich der Mitbestimmung.
    – Richtig ist laut Studien, dass es Frauen besonders wichtig ist, eine Sache gut zu machen. Rom wurde auch nicht an einem Tag erbaut und die BR-Tätigkeit ist ein wunderbares Feld, mehr über das Unternehmen zu erfahren, Einblicke in das Unternehmen zu bekommen und Entscheidungen der Geschäftsführungsebene mit zu beeinflussen. Also förderlich auf das Betriebsklima einzuwirken, bessere Bedingungen für die Kollegen auszuhandeln und dafür Sorge zu tragen, dass nicht jede Entscheidung im Unternehmen ohne Widerspruch von den Verantwortlichen umgesetzt werden kann.
  5. Frauen glauben, dass es schwierig ist sich gegen die Männermehrheit im Gremium durchzusetzen, geschweige denn mit den Führungsverantwortlichen zu diskutieren.
    – Auch das ist BR-Arbeit: Weiterentwicklung der eigenen Kompetenzen, mehr rhetorisches Geschick, um den eigenen Standpunkt klar zu formulieren und zu kommunizieren, klareres Auftreten vor einer Gruppe oder sogar der Belegschaft im Rahmen einer Betriebsversammlung, Training der Kompetenzen in konfliktbehafteten Situationen. Also alles Dinge, die nicht nur im Rahmen der BR-Tätigkeit entscheidend sind, sondern auch im täglichen Arbeits- und Privatleben die eigene Person und Persönlichkeit stärken. Und natürlich gilt: Wer nicht vor versammelter Mannschaft reden möchte, muss das nicht. Dafür gibt es interne Absprachen und jeder bringt sich mit dem ein, was er am besten kann.
  6. Frauen befürchten, dass ihnen durch die Tätigkeit als BR Ansehen und Wohlwollen im Team und seitens der eigenen Führungskräfte verloren geht.
    – Sie tun etwas für die Kollegen und das ist wertvoll. Diejenigen, die zu Ihnen kommen und mit denen Sie sprechen werden, wissen, wie wertvoll Ihre Tätigkeit ist. Und sollte es doch mal zu Unstimmigkeiten kommen, ist jeder Kollege/jede Kollegin herzlich eingeladen, sich für die nächsten Wahlen aufzustellen. Ihnen bleibt in jedem Fall das gute Gefühl, dass Sie sich engagieren und nicht widerspruchslos allen Etnscheidungen folgen. Sie beweisen Courage vor Ort.

Haben Sie mehr Lust auf die Tätigkeit im BR bekommen? Dann informieren Sie sich gerne bei Sybille Wasmund – Ass. Jur., M.A. Erwachsenenbildung – unter: 0251 1350-1350, seminarberatung@poko.de.

Oder nehmen Sie Kontakt zu unserem Betriebsratsnavigator, Michael Guder, auf, der Sie und ihr Team kostenlos vor Ort berät: 0171 2912852.

Ich bin freiberufliche Trainerin und zertifizierter Coach mit Sitz in Münster. Meine Themenschwerpunkte liegen in der Beratung von Teams und Führungsverantwortlichen und der professionellen Begleitung bei Teamentwicklung und in Konfliktsituationen.
Seit 2013 bin ich für das Poko-Institut tätig und referiere vor dem Hintergrund meiner psychologischen Ausbildung (HP-Psych.) zu Themen wie: Resilienz, EQ-Emotionale Intelligenz, Positive Psychologie, etc..

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