Suchtverhalten wirkt sich auch bei der Arbeit aus!

Suchtverhalten wirkt sich auch bei der Arbeit aus!Im Schwerpunkt des DAK-Gesundheitsreports 2019 wurde aktuell die Bedeutung von Süchten, wie Alkohol- und Tabaksucht, aber auch die Abhängigkeit von Computerspielen und die von sozialen Medien in der heutigen Arbeitswelt bewertet.

Hierzu wurden Versichertendaten ausgewertet (etwa AU, oder ambulante und stationäre Versorgungsdaten). Eine repräsentative Befragung von 5.614 abhängig Beschäftigten zeigt außerdem auf, welche Bedeutung die Süchte im Arbeitsalltag haben.

So konnte die Verteilung der Fehltage bei Arbeitsunfähigkeit auch auf den Konsum unterschiedlicher Substanzen zurückgeführt werden. Die Fehltage wegen psychischer Störungen oder Verhaltensstörungen werden dabei dominiert vom Konsum von Alkohol (74 %). Mit deutlich geringeren Anteilen folgen Störungen durch multiplen Substanzgebrauch (8 %) und Cannabinoide (6 %) an vierter Stelle befinden sich Opioide (4 %) und danach Tabak (3 %).

Mit Blick auf Krankschreibungen spielt demnach der Alkohol die größte Rolle unter den Substanzen, alle anderen Substanzen werden im Arbeitsunfähigkeitsgeschehen praktisch nicht sichtbar.

Interessant ist auch, dass in der Gesamtschau branchenspezifisch im Gesundheitswesen der höchste Anteil der AU-Tage wegen des Konsums von Alkohol liegt: 12,7 AU-Tagen pro 100 Versichertentage, dicht gefolgt von der öffentlichen Verwaltung (11,4 Fehltage je 100 Versichertentage).

Bestätigt hat sich nach dem Report auch die Annahme, dass es selbst bei Vorhandensein der entsprechenden Symptomatik häufig nicht zu Krankschreibungen mit dieser Ursache kommt bzw. diese nicht als vordergründige Ursache auf der Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung vermerkt wird.

Stärker belastete Beschäftigte haben entlang aller hier abgefragten Belastungen zu höheren Anteilen eine Tabakabhängigkeit. Zum Beispiel sind Beschäftigte, die häufiger bis an die Grenze der Leistungsfähigkeit gehen müssen, zu 19 % tabakabhängig, Beschäftigte, die seltener an diese Grenze gehen, nur zu 15 %.
Interessant sind auch die Einschätzungen befragter Experten: So vertrat einer der Befragten die Ansicht, dass „…die Tabaksucht zum Ausfall von Arbeitszeit durch Rauchpausen führt (wo dies betrieblich möglich ist), zu einem höheren Krankenstand und zu geringerer Arbeitsleistung zwangsabstinenter Raucher.“ Dr. Dieter Geyer, Präsident der Deutschen Suchtmedizinischen Gesellschaft.

Darüber hinaus wurde interessanterweise festgestellt, dass im Hinblick auf soziale Medien wenig Handlungsbedarf in der Arbeitswelt bestehe.

Beim Thema Computersucht wurden auch wiederum Experten befragt, so äußerte sich Stephan Walcher, Deutsche Gesellschaft für Suchtmedizin e. V.: „Auch Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sind erheblich von Computerspielesucht betroffen. Bei ihnen führt sie zu einer Reduktion der Real-Arbeitszeit, zusätzlich zu Bewegungsmangel und Fehlernährung. Schlafmangel führt zu verminderter Arbeitsleistung.“
Hierbei wird immer wieder die Gefahr des Schlafmangels genannt und untersucht. Die Beschäftigung mit Videospielen führe dazu, dass Berufstätige zu spät zur Arbeit kommen. Auch dürfte es vorkommen, dass sie durch die Sogwirkung eines Spiels später zu Bett gehen, als es ihrem Schlafbedürfnis entspricht. Ein früherer Feierabend könnte umgekehrt dadurch verursacht werden, dass man wegen Schlafmangel nicht leistungsfähig ist oder sich zum Spielen verabredet hat. Im äußersten Falle könnte es – so die Vorüberlegungen – auch dazu kommen, dass jemand gar nicht zur Arbeit geht.

Im Ergebnis zeigte sich dann, dass die Videospielegebrauchsstörung (Internet Gaming Disorder) mit Bezug auf die letzten 12 Monate 1,0 % der Erwerbstätigen betraf, ein unbekannter Teil davon ist abhängig von Computerspielen (12-Monats-Prävalenz).

Lesen Sie hier den gesamten Gesundheitsreport 2019.

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