ConsultingStellen sie sich vor, auch wenn es ihnen schwer fällt, sie sind Betriebsrat in einer schicken Consulting Bude. Ihr Betriebsrat besteht aus 11 Mitgliedern und die Consulting Bude (pardon Firma) hat ihrem Gremium bereits zwei 3er BMW (Dreiern) mit Vollausstattung und ordentlich PS zur Verfügung gestellt. Ein Traum nicht wahr? Doch das reicht ihrem Gremium nicht. Sie wollen mehr. Viel mehr. Sie wollen zusätzlich noch einen Maserati The New Quattroporte für schlappe 96.300 EUR für den Betriebsrat. Begründung: Nur damit sei die Erledigung der gesetzlichen Aufgaben des Betriebsrats möglich. Und letztlich sollte der Betriebsrat einer Consulting Firma auch standesgemäß und repräsentativ ausgestattet sein. Dies schindet bei Kollegen anderer Betriebe Eindruck. Wichtig z. B. um standesgemäß den 2017er Poko-Kongress in Warnemünde Ostsee – Yachthafenresidenz Hohe Düne erfolgreich zu absolvieren. Anm. des Verfassers: Der Kongress ist schon ausgebucht. Aber auch das BetrVG I Seminar in Frankfurt am Main kann nur mit Maserati erfolgreich beendet werden. Erneute Anm. des Verfassers: Der Werbeblock ist nun beendet. 🙂

Der Arbeitgeber lehnt dies natürlich ab und argumentiert u. a. damit, dass die beiden Dreier ausreichend sind. Man trifft sich vor dem Landesarbeitsgericht Hessen und dieses gibt dem Arbeitgeber recht. Mehr als die beiden Dreier sind nicht drin. Auch vor dem Hintergrund, dass ein Großteil der Mitarbeiter nur Dreier fährt und der Betriebsrat nicht besser gestellt werden dürfte.

Anders entschied dagegen das Landesarbeitsgericht Köln. Dort stand einem 9er Gremium nur ein Dreier zur Verfügung und eine erhebliche Anzahl der Consultants fuhr mit Maseratis durch die Gegend. Der Maserati war quasi betriebsüblich, so dass der Betriebsrat nicht besser gestellt wurde.

Sie sehen, es kommt darauf an.

Und abschließend hoffe ich, dass sie diesen ganzen Schmarrn nicht glauben. In Wirklichkeit ging es nämlich um schnöde Laptops. Das Urteil des LAG Hessen, Beschl. v. 25.07.2016, Az.: 16 TaBV 219/15 finden sie hier.

Und glauben sie nicht alles, was ich schreibe. 😉 Schönes Bild, oder?

Kollektivarbeitsrecht Recht für Betriebsräte

MitbestimmungFontänenartig spritze das Blut…

Die Nadel brach mehrfach ab…

Mehr als 5 Liter gingen nicht…

Leichenblass…

und und und…

 

Man kann sich vieles bei der Blutspende vorstellen. Aber die zuvor genannten Aussagen sind totaler Quatsch, die hat es nie gegeben und wird es auch nicht geben. Reine Fantasie des Verfassers. Zu viel Walking Dead geschaut halt. Blutspende ist wichtig. Das ist unbestritten. Aus diesem Grund betreibt „unser“ Blutspendedienst auch eine Facebook-Seite. Auf dieser Seite können andere Facebook-Nutzer Beiträge posten. Wie das halt so ist bei Facebook. Natürlich kann man dann auch Kommentare über Mitarbeiter des Blutspendedienstes posten. Und die könnten ja im Einzelfall nicht immer positiv sein. Also sind wir wieder bei den fünf Litern… Juristisch gesagt, könnte eine solche Facebook-Seite mitsamt ihren Postings geeignet sein, das Verhalten oder die Leistung eines Arbeitnehmers zu überwachen. So sah es zumindest der Konzernbetriebsrat und bekam vor dem Bundesarbeitsgericht teilweise Recht.

„Der Mitbestimmung unterliegt die Entscheidung der Arbeitgeberin, Postings unmittelbar zu veröffentlichen. Soweit sich diese auf das Verhalten oder die Leistung von Arbeitnehmern beziehen, führt das zu einer Überwachung von Arbeitnehmern durch eine technische Einrichtung im Sinne des § 87 Abs. 1 Nr. 6 BetrVG.“

Pressemitteilung des BAG Nr. 64/16

Passt!! Denke ich!

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Gesundheit Kollektivarbeitsrecht

AgressionOft können Beschäftigte deutscher Unternehmen ihre Mitbestimmungsrechte nicht ohne weiteres in Anspruch nehmen. Nicht selten müssen sie mit Schikanen durch den Arbeitgeber rechnen. Insbesondere Neugründungen von Betriebsräten scheinen vielen Unternehmen ein Dorn im Auge zu sein und sie versuchen sie zu vereiteln.

Mit diesem Thema beschäftigt sich eine aktuelle Studie des Wirtschafts- und Sozialwissen-schaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung, durchgeführt von Dr. Martin Behrens und Heiner Dribbusch. Sie haben 2015 dazu 159 hauptamtliche Gewerkschafter der IG BCE, der IG Metall und der NGG zu ihren Erfahrungen mit der Durchführung von Betriebsratswahlen befragt. Sage und schreibe der Hälfte der Befragten waren Fälle bekannt, in denen Unternehmen versucht haben die BR-Wahlen zu behindern. Einschüchtern von Kandidaten, mit Kündigung drohen oder die Bestellung des Wahlvorstands behindern, die Arbeit bereits gewählter Gremien erschweren: Jedes Mittel scheint recht zu sein. Im Gastgewerbe und in der Nahrungs- und Genussmittelindustrie herrschen scheinbar die rauesten Sitten. In der Branche berichteten 76% der Befragten von Störversuchen der Arbeitgeber.
In vielen Fällen komme es sogar auch vor, dass die Betriebsratswahl letztlich mit Erfolg vereitelt würde.

Die Autoren haben auch untersucht, mit welchen Mitteln die Arbeitgeber das „Betriebsrats-Bashing“ betreiben. Wenn Betriebsratswahlen sabotiert werden sollen, werden arbeitgebernahe Kandidaten unterstützt und andere eingeschüchtert, bzw. ihnen sogar gekündigt. Auch Auflösungsanträge beim Arbeitsgericht gehören mittlerweile zur Tagesordnung. Oft nehme die Unternehmensleitung dazu auch externe Hilfe von Anwälten oder Beratungen in Anspruch. Besonders häufig finde diese Schikane wohl in inhabergeführten Betrieben mit 50 bis 200 Beschäftigten statt.

Nach Meinung der Forscher wäre ein umfassender gesetzlicher Schutz vor Eingriffen der Arbeitgeber erforderlich. Sie fordern beispielsweise bereits bei der Vorbereitung von Betriebsratswahlen einen Schutz aller beteiligten Beschäftigten vor Kündigungen – vom ersten Tag an. Weiterhin müssen gesetzwidrige Eingriffe des Managements wirksam sanktioniert werden. Das solle mittels Schwerpunktstaatsanwaltschaften erfolgen, die auf gesetzwidrige Eingriffe von Unternehmen in Betriebsratswahlen spezialisiert sind.

Details zur Studie erfahren Sie hier

Recht für Betriebsräte

RoboterDas Arbeitsleben hat sich erheblich verändert. Die technische Revolution hält in den Betrieben Einzug – verbunden mit der Sorge, mehr und mehr Maschinen, Roboter und künstliche Intelligenz könnten möglicherweise den eigenen Job übernehmen. In Hamburg werden bereits die ersten Roboter Paketboten getestet und Drohnen könnten in abgelegenen Regionen den Briefträger ersetzen.

Wie sieht es mit Ihrem Job aus, könnte der auch von Robotern und Co. übernommen werden? Mit einem neuen spannenden Online-Tool der ARD (entwickelt mit dem Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, IAB), dem „Job-Futuromat“, können Sie dies überprüfen. Sie tragen dort einfach Ihren Beruf ein und der „Futuromat“ verrät Ihnen, zu welchem Anteil Ihre Arbeit bereits heute von Maschinen übernommen werden könnte.

In Zusammenhang mit diesem Ergebnis werden auch Statistiken ausgegeben, in denen die Nutzer sehen können, wie viele sozialversicherte Beschäftigte es mit ihrer Berufsbezeichnung gibt und wie sich diese Zahl in der Vergangenheit entwickelt hat. Und wenn Sie immer schon wissen wollten, was andere in Ihrem Job so durchschnittlich brutto monatlich verdienen, erfahren Sie auch das hier. Weiterhin haben Sie die Möglichkeit, die Gehaltsentwicklung der letzten Jahre dort nachzuvollziehen.

Zum „Job-Futuromat“

 

Kuriositäten

LehrlingZu den allgemeinen Aufgaben des Betriebsrates gehört es, die Beschäftigung im Betrieb zu fördern. Aber wie kann dies aussehen? Ein schönes Beispiel kommt hier aus Berlin, von uns ausdrücklich zur Nachahmung empfohlen:

16 Berliner Unternehmen mit Landesbeteiligung haben sich entschlossen, Ihre Auswahlkriterien zur Vergabe von Ausbildungsplätzen zu lockern. Damit schlagen sie zwei Fliegen mit einer Klappe. Zum Einen, geben sie schwächeren Jugendlichen eine Chance  – denn die normalen Einstellungstests würden sie aufgrund ihrer Schulnoten wahrscheinlich nie bestehen, zum Anderen haben sie Nachwuchssorgen und können viele Stellen nicht besetzen. Wegen des demografischen Wandels gibt es erheblich weniger Nachwuchs – und dieser zieht häufig das Studium der Ausbildung vor. Die Zeiten, in denen die Unternehmen in einer Flut von Bewerbungen gnadenlos aussieben konnten, sind längst vorbei.

In einem dreijährigen Pilotprojekt, das Teil der Senatsinitiative „Berlin braucht dich“ ist, soll belegt werden, dass Jugendliche mit Migrationshintergrund, die möglicherweise in üblichen Auswahlverfahren ausgesiebt würden, eine Lehre erfolgreich beenden können. Mit dem Ziel, den Anteil Auszubildender aus Einwandererfamilien in den Ausbildungsbereichen, in denen das Land Berlin Mitarbeitgeber ist, auf 25% zu erhöhen.

Ein dreiwöchiges Betriebspraktikum ist Voraussetzung für eine Bewerbung für einen der 55 Ausbildungsplätze, nicht ein 1A-bestandener Einstellungstest. Wenn die Jugendlichen darin sowie im Vorstellungsgespräch überzeugen, stehen ihnen trotz eines möglicherweisen schlechten Zeugnisses die Türen offen. Es geht also nicht um Schulwissen, wie Mathematik und Rechtschreibung, sondern um Motivation, Teamgeist und die Fähigkeit mit Menschen umgehen zu können. Das kann sie zu besseren Auszubildenden machen als jemanden mit einem guten Abitur.

Dieses Auswahlverfahren ist für die Unternehmen selbst deutlich mehr Aufwand. Während des Praktikums und der Ausbildung müssen die Jugendlichen stärker begleitet und betreut werden. Jedes Jahr wird geprüft und ausgewertet, wie sie sich machen. Die Bestätigung muss dann letztendlich durch die Abschlussprüfung erfolgen, denn diese müssen die Azubis genau wie alle anderen bestehen.

Ein sich möglicherweise lohnender Weg, um an guten Nachwuchs zu kommen, denn gut definiert sich häufig nicht über die Schulnoten. Und viele junge, nicht privilegierte Menschen fühlen sich endlich mal gebraucht. Vielleicht ja auch eine tolle Initiative für andere Unternehmen!

Allgemein