Betriebsrat 2017 Beiträgen

Elterngeld: Ziel erreicht?Mehr und mehr Frauen nehmen nach der Geburt des Kindes die Elternzeit in Anspruch und kehren anschließend deutlich eher an den Arbeitsplatz zurück, als es früher der Fall war. Das belegen Zahlen des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW Köln).

Das gilt allerdings nicht für das erste Lebensjahr des Kindes. 2014 gingen nur 8,5% der Mütter mit unter einjährigen Kindern arbeiten. 2006, ein Jahr vor Einführung des Elterngeldes, waren es noch 22,5%. Die berufliche Aktivität der Mütter im zweiten Lebensjahr des Nachwuchses ist hingegen gestiegen, von 35% auf 43%. Die Tendenz setzt sich auch im dritten Lebensjahr fort. Eines der Ziele des Elterngeldes, im ersten Jahr einen Schonraum für junge Familien zu schaffen, sei also erreicht worden.

Nach wie vor sei es aber so, dass Frauen in der Regel in die Teilzeit zurückkehren. Nur bei gut ausgebildeten Frauen, oft Akademikerinnen, scheine seit Einführung des Elterngeldes vor 10 Jahren die Stundenzahl der Teilzeittätigkeit zugenommen zu haben. Zwei Jahre nach der Babypause sei die Wahrscheinlichkeit, dass viele von ihnen in der sogenannten großen Teilzeit arbeiten (23-32 Wochenstunden), deutlich gestiegen*.

Es sei aber nicht abschließend geklärt, ob dies wirklich auf die Einführung des Elterngeldes, in Kombination mit dem Ausbau der Betreuungsinfrastruktur für unter Dreijährige, zurückzuführen sei. Arbeitgeber und auch Gewerkschaften begrüßen die Tendenz zur frühen Rückkehr an den Arbeitsplatz, wenngleich viele Betriebe Probleme haben, geeigneten Ersatz für die Mütter in Elternzeit zu finden. Insbesondere für kleinere Firmen ergeben sich dadurch oft personelle Engpässe.

Auch aus Elternsicht funktioniert der Wiedereinstieg in den Beruf nicht reibungslos. Viele berichten von Schwierigkeiten bei der gewünschten Stundenanzahl – es gebe Arbeitgeber, die versuchen, die Rückkehr von Müttern in Teilzeit zu verzögern. Die gewünschte Flexibilität werde oft vermisst.

Allerdings waren 2014 auch 30% der Mütter mit Kleinkindern unter vier Jahren gar nicht erwerbstätig, was von Arbeitgeberseite als eindeutig zu hoch bewertet wird.

Betrachte man die Väter, hatte die Einführung des Elterngeldes auch Auswirkungen auf die Elternzeit. 3,9% der Väter nahmen 2014 Elternzeit, häufig jedoch nur zwei Monate, die für einen längeren Elterngeldbezug erforderlich seien. 2006 lag der Anteil nur noch bei 0,5%. Im zweiten Lebensjahr des Kindes nahm der Anteil auf 1,4% ab.

Die Mütter scheinen also nach wie vor die Hauptlast bei der Kindererziehung zu tragen. D. h. der Anreiz für eine stärkere Beteiligung der Männer bei den familiären Aufgaben hat nicht wirklich funktioniert. Schade!

 

*Laut Forschern des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI)

Recht für Betriebsräte

Wofür Betriebsräte gut sindSie als Betriebsrat wissen, wie wichtig Ihre Tätigkeit ist. Aber bekommen Ihre Kollegen außerhalb des Betriebsrats das auch mit? Wissen sie wirklich, was Sie in Ihrer Amtsperiode bereits alles erreicht haben? Vielleicht sollten Sie das einfach häufiger kommunizieren, insbesondere jetzt, zum Endspurt Ihrer Amtsperiode.

Viele Studien haben z.B. nachgewiesen, dass die Mitarbeiterfluktuation in Unternehmen mit Arbeitnehmervertretung geringer ist. Hilfreich für Ihre Öffentlichkeitsarbeit dürfte sicherlich die Untersuchung von Christian Grund und Johannes Martin von der RWTH Aachen sein. Beide haben analysiert, welche Rolle Betriebsräte bei Kündigungen spielen. Dazu haben sie Daten des Sozio-ökonomischen-Panels ausgewertet. Laut Analyse können betriebsbedingt gekündigte Arbeitnehmer eher mit einer Abfindung rechnen, wenn die Firma einen Betriebsrat hat – und das ist leider heute immer noch sehr stark branchenabhängig. In der Branche Energie, Wasser, Abfall und Bergbau haben 82 % der Beschäftigten einen Betriebsrat. Danach folgen Finanzen und Versicherungen mit 71% und die Industrie mit 66%. Der Anteil in weiteren Branchen bewegt sich bereits unter 50% (Quelle: IAB-Betriebspanel 2016).

Der Arbeitgeber ist ja durch das Betriebsverfassungsgesetz verpflichtet,  jede beabsichtigte Kündigung im Vorfeld mit dem Betriebsrat zu besprechen und zu begründen. Der Betriebsrat hat die Möglichkeit der Kündigung zu widersprechen, wenn entscheidende soziale Aspekte nicht berücksichtigt wurden bzw. es eine andere Verwendung für die betroffenen Arbeitnehmer gegeben hätte. Auch wenn das der Fall ist und die Entlassung ist nicht gerechtfertigt, ist häufig eine weitere Zusammenarbeit nicht mehr möglich und beide Betriebspartner und der Betroffene einigen sich auf eine Abfindung. Auch bei Massenentlassungen verhandelt der Betriebsrat den Sozialplan, zu dem auch Abfindungen gehören. Bei Werksschließungen erhalten in Firmen mit BR 34,5% der Beschäftigten eine Abfindung, ohne BR nur 9,9%.

Auf individuelle Entlassungen hat der Betriebsrat kaum positiven Einfluss. Das hänge damit zusammen, dass es in mitbestimmten Firmen eine größere Beschäftigungsstabilität gebe. Der Betriebsrat achte darauf, dass diese Kündigungen nur bei gravierendem Fehlverhalten erfolgen, z.B. Diebstahl oder Alkoholmissbrauch und somit selbstverschuldet sind. Letztlich schaden solche Mitarbeiter auch ihren Kollegen und können deshalb auch nicht mit Unterstützung der Arbeitnehmervertretung rechnen.

Das Engagement der Betriebsräte scheine ansonsten von den beruflichen Perspektiven der Gekündigten abzuhängen. Am stärksten konzentrieren sich Betriebsräte auf diejenigen Kollegen, die auf finanzielle Unterstützung angewiesen sind. Eine denkbare Variante sei auch, dass sie statt einer Abfindung Hilfe bei der Vermittlung einer neuen Stelle erhalten.

Sicherlich haben Sie als Betriebsrat auch viele Erfolge vorzuweisen, die nicht unbedingt mit diesem unangenehmen Thema Kündigung zusammenhängen. Sprechen Sie darüber und machen Sie einfach mal Werbung in eigener Sache – auch im Hinblick auf die anstehende BR-Wahl im kommenden Jahr.

Allgemein Recht für Betriebsräte

Das bedingungslose GrundeinkommenFinnland hat es Anfang diesen Jahres versuchsweise für zwei Jahre eingesetzt: das bedingungslose Grundeinkommen. In einem Pilotprojekt wurden 2.000 arbeitslose Finnen ausgewählt, die monatlich 560,00 Euro ausbezahlt bekommen, anstelle des Arbeitslosengeldes. Sie müssen den Betrag nicht versteuern und dürfen nebenbei auch arbeiten, ohne dass sich das Grundeinkommen reduziert.

Damit soll den Betroffenen ein Gefühl von Sicherheit gegeben und ihre Grundbedürfnisse gedeckt werden. Zusätzlich erhofft man sich, dass es sie anspornt wieder zu arbeiten, wenn sie dazu die Möglichkeit haben. In Finnland scheint es aufgrund von Lücken im Sozialhilfesystem so zu sein, dass es sich teilweise weniger lohne einen Teilzeitjob anzunehmen, als ausschließlich Arbeitslosengeld zu erhalten. Das erschwere vielen den Jobeinstieg.

Bereits jetzt ist in Finnland erkennbar, dass die Teilnehmer deutlich weniger gestresst sind, als zu der Zeit, als sie noch Arbeitslosengeld erhalten haben. Sie können sich auf die regelmäßige Zahlung verlassen, verspüren deutlich weniger Druck und haben es so leichter sich parallel Arbeit zu suchen.  Es ist allerdings kaum erforscht, ob sich die Arbeitsmoral ändert, wenn man nicht mehr gezwungen ist zu arbeiten.

Weltweit wird das bedingungslose Grundeinkommen sehr kontrovers diskutiert. Die Gegner behaupten, es sei zu teuer und es mache faul. Die Befürworter sagen, es solle für mehr Gerechtigkeit sorgen und niemand solle sich heute noch Sorgen um Nahrung, Kleidung oder Wohnung machen müssen. Weiterhin schaffe es mehr Zeit für die Familie oder Engagement in anderen Gesellschaften.

Ob jedoch das bedingungslose Grundeinkommen wirklich für mehr Chancengleichheit und Umverteilung sorgt, daran scheiden sich die Geister. Denn wichtige Grundvoraussetzungen für die Teilhabe am Arbeitsleben seien oftmals die schulische und berufliche Bildung sowie der kulturelle Hintergrund. Darauf habe das Grundeinkommen keinen Einfluss.

Was Deutsche von der Einführung des bedingungslosen Grundeinkommens halten, hat eine Studie des Meinungsforschungsinstituts Ipsos untersucht. In 12 europäischen bzw. nordamerikanischen Ländern wurden 1.007 Menschen dazu befragt. 52% der Deutschen befürworten das bedingungslose Grundeinkommen, im Gegensatz zu Spanien und Frankreich, wo fast jeder zweite Befragte es ablehnt. Der Hauptgrund dafür seien die zu erwartenden hohen Kosten. Die dadurch steigende Steuerlast sei nicht zu bewältigen, sagen 63% der Franzosen.

Aus der Wirtschaft und Politik kommen unterschiedliche Vorschläge zur möglichen Finanzierung des Grundeinkommens. Sie reichen von stärkerer Belastung hoher Einkommen bzw. Kapitalerträge, stärkerer Besteuerung von Konsum bis hin zum Abzug des Grundeinkommens (wie einen Freibetrag) von der Steuerschuld.

Wie stehen Sie zum bedingungslosen Grundeinkommen?

Allgemein

Hat die Mittagspause ausgedientMittagspause zu machen, scheint aus der Mode gekommen zu sein. Schließlich kennen auch das Internet und Smartphone keine Passivität. Alle sind immer erreichbar und jede Minute wird genutzt. Zeit ist bekanntlich Geld. Mittlerweile Alltag in deutschen Büros.

Einer Studie der Pronovo BKK aus 2016 zufolge, macht nur noch jeder vierte Beschäftigte eine Mittags- oder Erholungspause. Wen wundert es da, dass 86% der Befragten gestresst sind. Das wiederum zieht Schlafprobleme, Burn-out und Krankheiten nach sich. Die Anzahl der Fehltage deutscher Arbeitnehmer wegen psychischer Erkrankungen ist mittlerweile dreimal so hoch wie vor 20 Jahren. Das kostet die Unternehmen nach einer Schätzung der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin jährlich 9,5 Milliarden Euro.

Dass die Mittagspause zum Problem geworden ist, haben viele Chefs erkannt und investieren daher mehr und mehr in ausgefallene Pausenangebote. Im Rahmen des Betrieblichen Gesundheitsmanagements entstehen z.B. betriebsinterne Fitnessstudios, Wellnesscenter, Meditationsangebote, Yogakurse und mancherorts werden Feelgoodmanager eingesetzt.

Je weniger Pausen gemacht werden, desto stärker expandiert die Anti-Stress-Industrie und die Pause wird dadurch zum Geschäft. Laut Global Wellness Report 2017 werden weltweit 43 Milliarden Dollar mit Wellness am Arbeitsplatz verdient, in Deutschland 3 Milliarden Dollar. Deutschland ist damit das Land mit den dritthöchsten Ausgaben. Optimierte Mittagspause für optimalen Erfolg?

Geht es ja bei der Pause eigentlich darum, abzuschalten, zu entspannen und sich auch räumlich vom Arbeitsplatz zu distanzieren, sollen natürlich die neuen Pausenangebote der Firmen auch den Unternehmen selbst dienen. Denn nur gesunde Mitarbeiter garantieren  bestmöglichen Unternehmenserfolg.

Seit 1994 steht es schwarz auf weiß im Arbeitszeitgesetz: Bei einer Arbeitszeit von bis zu 9 Stunden täglich entsteht ein Anspruch von 30 Minuten Pause – 45 Minuten bei mehr als 9 Stunden. Vor vielen Jahren hart erkämpft, jetzt müssen viele Beschäftigte gezwungen werden sie wahrzunehmen.

Nicht zu unterschätzen ist der Einfluss der Führungskräfte. Leben diese vor, dass sie keine Pause benötigen, machen viele ehrgeizige Mitarbeiter ebenfalls keine. Trotz der tollsten Pausenangebote.

Fehlende Ruhephasen führen zwangsläufig zur Entgrenzung von Arbeit und Stress. Hier sind Sie als Betriebsrat gefragt, die Arbeitnehmer zu schützen: vor Überforderung und gesundheitlichen Nachteilen.

Gesundheit

Die Einstellung von Flüchtlingen in deutschen Unternehmen hat sich innerhalb eines Jahres verdreifacht. Das geht aus einer Umfrage des Ifo-Instituts und des Personaldienstleisters Randstad hervor. Sie haben dazu im März 1.000 Personalverantwortliche sowohl aus Groß- als auch Kleinunternehmen befragt.

In den vergangenen zwei Jahren haben gut 20% der Unternehmen Flüchtlinge beschäftigt, wohingegen Ende 2015 der Anteil noch bei 7% lag. Allerdings haben auch 58% noch keine Erfahrungen mit Geflüchteten gemacht. Aufgrund sprachlicher Anforderungen, spezieller Qualifikationen oder anderer branchenspezifischer Voraussetzungen sehen 19% keine Einsatzmöglichkeiten für sie.

Im verarbeitenden Gewerbe sowie Handel arbeiten der Umfrage zufolge viele Geflüchtete, im Dienstleistungssektor sind sie kaum zu finden. Die einzelnen Unternehmen beschäftigen in der Regel nur wenig Flüchtlinge, in der Hälfte der Betriebe arbeitet jeweils nur einer, bei weiteren 42% sind es zwischen 2 und 5 Personen.
Oft scheitert eine Einstellung  am unklaren Aufenthaltsstatus oder am Beschäftigungsverbot für diejenigen aus sicheren Herkunftsländern. Auch die Dauer behördlicher Verfahren, die damit verbunden sind, schreckt ab. Viele Personaler tun sich weiterhin schwer, die Qualifikation aufgrund des ausländischen Abschlusses richtig einzuschätzen.

Nur wenige Flüchtlinge (8%) werden als Facharbeiter eingestellt. Meistens arbeiten sie als Praktikanten oder Hilfskräfte, was auch daran liegt, dass die Arbeitsagentur betriebliche Einstiegsqualifizierung, die im Grunde genommen auf eine Ausbildung vorbereitet, fördert. Ca. 19% der Firmen, die Geflüchtete beschäftigen, nutzen die behördlichen Beihilfen wie z.B. Lohnzuschüsse oder Sprachkurse.

Der Nachweis der Arbeitgeber, dass die Anstellung eines ausländischen Mitarbeiters nicht zu Lasten einheimischer Bewerber gehe, die sogenannte Vorrangprüfung, scheint nur noch in bestimmten Regionen vorausgesetzt zu werden. Nur 18% der Personaler halten sie noch für problematisch.

Welche Erfahrungen haben Sie in Ihrem Unternehmen gemacht? Wir würden uns freuen, wenn Sie diese mit uns teilen.

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