Schichtarbeit: Gesundheit und Leistungsfähigkeit erhalten

 

730x300- Handwerker in Werkstatt vor Plänen

Schichtarbeit und Gesundheit stehen in einem engen Zusammenhang. Mehr als drei Millionen Beschäftigte arbeiten in Deutschland zwischen 23:00 und 06:00 Uhr – eine Zeitspanne, in der der natürliche Biorhythmus eigentlich Ruhe verlangt. Diese Arbeitszeiten können sich negativ auf die Gesundheit und das soziale Leben von Arbeitnehmenden auswirken. In diesem Beitrag informieren wir, wie Schichtsysteme möglichst gesundheitsgerecht gestaltet werden können, um die Gesundheit und Leistungsfähigkeit zu gewährleisten.

Wenn es um das Wohlbefinden und die Leistungsfähigkeit von Arbeitnehmenden geht, ist der Betriebsrat gefragt. Denn bei dem Einhalten des betrieblichen Gesundheitsschutzes hat der Betriebsrat ein Mitbestimmungsrecht. In den realitätsnahen Betriebsrat-Seminaren des Poko-Instituts erfahren Betriebsräte, wie sie sich wirksam für faire und gesunde Schichtmodelle einsetzen können. Unser Seminarangebot ist vielseitig: In unseren individuellen Inhouse-Schulungen wird Ihnen beispielsweise das nötige Wissen maßgeschneidert direkt bei Ihnen vor Ort vermittelt.

Seminar: Gestaltung flexibler Dienst- und Schichtpläne

 

Gesundheit und Leistungsfähigkeit bei Schichtarbeit erhalten: Das Wichtigste in Kürze

  • Mehr als drei Millionen Arbeitnehmer*innen in Deutschland arbeiten in Schichtarbeit zwischen 23:00 und 06:00 Uhr.
  • Das Arbeitszeitgesetz (§ 6 ArbZG) verpflichtet Arbeitgeber zur gesunden Gestaltung von Nacht- und Schichtarbeit.
  • Schichtarbeit kann gesundheitliche Folgen haben, z.B. Schlafstörungen, Konzentrationsprobleme, Magenbeschwerden und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
  • Beschäftigte können mit bewusster Ernährung, Schlafhygiene, aktiver Freizeitgestaltung und Schichtbeteiligung ihre Gesundheit stärken.
  • Arbeitgeber sind gefordert, Schichtpläne ergonomisch, fair und vorausschauend zu gestalten – unter Beteiligung des Betriebsrats.

Was versteht man unter Schichtarbeit?

Schichtarbeit beschreibt Arbeitszeitmodelle, bei denen sich die Arbeitszeiten systematisch abwechseln. Sie kann in Früh-, Spät- und Nachtschichten gegliedert sein oder in anderen Varianten organisiert werden – etwa in rollierenden Systemen oder mit Wochenenddiensten. Der Gesetzgeber definiert Nachtarbeit nach § 2 des Arbeitszeitgesetzes (ArbZG) als eine Tätigkeit, die mehr als zwei Stunden der Nachtzeit zwischen 23:00 und 06:00 Uhr umfasst.

Rechtliche Grundlagen zu Schichtarbeit und Gesundheitsschutz

Der Gesundheitsschutz bei Schichtarbeit ist gesetzlich verankert. Im Arbeitszeitgesetz (§ 6 ArbZG) wird geregelt, dass Schichtarbeit so gestaltet werden muss, dass gesundheitliche Beeinträchtigungen möglichst vermieden werden. Zudem haben Nachtarbeitende Anspruch auf arbeitsmedizinische Vorsorge und Maßnahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung.

Auch die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) hat Empfehlungen zur gesunden Schichtarbeit veröffentlicht. Ziel ist es, Risiken wie Schlafmangel, Konzentrationsprobleme oder Unfallgefahr zu reduzieren. Arbeitszeitgestaltung ist damit Teil des betrieblichen Arbeitsschutzes und fällt unter die Fürsorgepflicht des Arbeitgebers.

Ist Schichtarbeit ungesund?

Schichtarbeit wirkt sich auf unterschiedliche Weise auf die Gesundheit aus. Besonders Nachtschichten stören den natürlichen Schlaf-Wach-Rhythmus. Denn wer nachts arbeitet, schläft tagsüber oft kürzer und weniger erholsam. Auf Dauer kann dies zu einer Kettenreaktion von Problemen wie chronischem Schlafmangel, erhöhter Müdigkeit, eingeschränkter Regenerationsfähigkeit und somit zu einer verminderten Leistung am Arbeitsplatz führen.

Häufige Beschwerden von Schichtbeschäftigten sind:

  • Schlafstörungen
  • Magen-Darm-Probleme
  • Konzentrationsschwierigkeiten
  • Anhaltende Müdigkeit
  • Erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen
  • Erhöhte psychische Belastung

Bezüglich des Arbeitsschutzes können diese Beschwerden Betriebe vor große Probleme stellen. Wer nicht aufmerksam arbeitet, zum Beispiel mit Maschinen oder Werkzeugen, steigert nämlich das Risiko, Arbeitsunfälle zu verursachen.

Was ist das Schichtarbeitersyndrom?

Beim sogenannten Schichtarbeitersyndrom handelt es sich um eine Kombination typischer Beschwerden, die durch den dauerhaft gestörten Biorhythmus entstehen. Dazu zählen Ein- und Durchschlafstörungen, ständige Müdigkeit, Verdauungsprobleme und in vielen Fällen eine zunehmende Unzufriedenheit mit der Lebenssituation. Langfristig kann sich daraus eine ernsthafte gesundheitliche und psychische Belastung entwickeln – mit negativen Auswirkungen auf Motivation, Leistungsfähigkeit und soziale Beziehungen.

Seminar: Psychische Belastungen am Arbeitsplatz I

 

Tipps für Beschäftigte im Schichtdienst

Trotz dieser gesundheitlichen Herausforderungen können Schichtbeschäftigte einiges tun, um ihre Leistungsfähigkeit zu erhalten. Dazu zählen:

  • Regelmäßiger Schlafrhythmus: Auch an freien Tagen sollten möglichst gleiche Schlafenszeiten eingehalten werden. Vor dem Wechsel der Schicht hilft eine schrittweise Anpassung.
  • Gesunde Ernährung: Leichte, regelmäßige Mahlzeiten entlasten das Verdauungssystem. Besonders in der Nachtschicht sollte auf schweres Essen verzichtet werden.
  • Bewegung und Entspannung: Spaziergänge, Sport und Entspannungstechniken helfen, Stress abzubauen und das Wohlbefinden zu steigern.
  • Aktive Freizeitgestaltung: Soziale Kontakte und Hobbies wirken psychischer Belastung entgegen.
  • Licht und Dunkelheit nutzen: Tageslicht hilft beim Wachwerden, während abgedunkelte Schlafräume die Regeneration fördern.
  • Unterstützungsangebote nutzen: Betriebsärztliche Vorsorge, Gesundheitskurse oder Beratungsgespräche sind wichtige Ressourcen.

Schichtarbeit gesund gestalten – was Arbeitgeber beachten sollten

Eine durchdachte Schichtplanung ist zentral, um Schichtarbeit weniger belastend zu gestalten. Betriebe und Betriebsräte könnten hierzu folgende Punkte berücksichtigen:

  • Vorwärtsrotierende Schichtpläne (Früh → Spät → Nacht)
  • Maximal drei Nachtschichten am Stück
  • Ruhezeiten von mindestens elf Stunden zwischen den Schichten
  • Einhaltung der täglichen Höchstarbeitszeit (max. 8 Stunden, Ausnahme: 10 Stunden)
  • Planbarkeit durch frühzeitige Veröffentlichung der Schichtpläne
  • Klare Pausenzeiten und Rückzugsräume für Erholung
  • Flexible Gestaltungsmöglichkeiten für Mitarbeitende
  • Keine kurzfristigen Änderungen ohne Rücksprache
  • Berücksichtigung individueller Bedürfnisse und familiärer Verpflichtungen
  • Förderung freiwilliger Schichttauschmodelle
  • Einsatz digitaler Tools zur transparenten Schichtplanung

Mit den Schulungen des Poko-Instituts Schichtarbeit gesund gestalten

Schichtarbeit kann langfristig die Gesundheit belasten. Gerade hier sind Betriebsräte gefordert, sich aktiv für durchdachte Arbeitszeitmodelle einzusetzen, um die Interessen der Beschäftigten wirkungsvoll zu vertreten.

Mit den Betriebsrat-Seminaren des Poko-Instituts erwerben Sie das nötige Know-How, um Schichtsysteme mitzugestalten und Risiken frühzeitig zu erkennen. Unsere Expert*innen vermitteln Ihnen live an unseren Seminar-Standorten, in digitalen Betriebsrat-Webinaren oder in einer auf Ihr Unternehmen zugeschnittenen Inhouse-Schulung das erforderliche Wissen, um das Wohl der Mitarbeitenden zu gewährleisten.

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