Autor: Dr. Gottfried Linn, Medien- und Kommunikationstrainer, Coach
Eine wirkungsvolle Öffentlichkeitsarbeit ist für die Jugend- und Auszubildendenvertretung heute wichtiger denn je. Junge Beschäftigte wachsen in einer Welt auf, in der Informationen jederzeit verfügbar sind und Kommunikation überwiegend digital stattfindet. Damit ihr als JAV eure Zielgruppe erreicht, verstanden werdet und Vertrauen aufbaut, braucht ihr eine moderne, strategische und authentische Kommunikationsarbeit – sowohl analog als auch digital.
Zentrale Aufgabe der JAV-Kommunikation ist es, junge Beschäftigte über ihre Rechte und Pflichten, aktuelle Themen des Betriebs und die Arbeit der JAV zu informieren. Gleichzeitig soll sie Nähe schaffen, Fragen beantworten und zeigen, dass die JAV ein verlässlicher Ansprechpartner ist. Dafür braucht es passende Kommunikationskanäle: analoge Formate wie Aushänge und Flyer bleiben oft unverzichtbar. Persönliche Gespräche sind auch zukünftig durch nichts zu ersetzen. Digitale Formate, wie Social Media, Messenger-Dienste oder das Intranet gewinnen zunehmend an Bedeutung. Sie ermöglichen schnelle, niedrigschwellige und zielgruppengerechte Kommunikation.
Damit eure Inhalte wirklich ankommen, müssen sie relevant für junge Beschäftigte sein. Themen wie Ausbildungsqualität, Übernahmechancen, Weiterbildung, Aufstiegsmöglichkeiten, Arbeitszeiten, Prüfungen, Vergütung oder Mitbestimmung stehen dabei im Vordergrund. Erfolgreiche JAV-Kommunikation zeichnet sich durch Verständlichkeit, Aktualität und Nähe aus. Praxisbeispiele aus vielen Betrieben zeigen: Besonders gut funktionieren kurze Videos, authentische Einblicke in die JAV-Arbeit, klare Botschaften und interaktive Formate wie Umfragen oder Q&A-Sessions.
Social Media ist dabei ein modernes Werkzeug, das euch enorme Chancen bietet. Plattformen wie Instagram, TikTok oder YouTube eignen sich hervorragend, um junge Menschen dort zu erreichen, wo sie sich ohnehin täglich aufhalten. Jede Plattform hat ihre eigenen Stärken: Instagram für Bilder, Stories und kurze Infos; TikTok für kreative, schnelle Videos; YouTube für längere Erklärformate oder interne Blogs für Infos und Meinungsaustausch. Entscheidend ist, die Plattformen strategisch zu nutzen und Inhalte an die jeweilige Zielgruppe anzupassen.
Ein professioneller Auftritt beginnt mit einer zielführenden Planung: Welche Ziele verfolgt ihr? Welche Botschaften sollen vermittelt werden? Welche Formate kommen in Betracht? Ein Redaktionsplan hilft, regelmäßig und strukturiert zu kommunizieren. Texte sollten kurz, verständlich und motivierend sein. Bilder und Videos erhöhen die Aufmerksamkeit und machen Themen greifbarer. Emojis und Hashtags können sinnvoll eingesetzt werden, um Inhalte aufzulockern und die Reichweite zu erhöhen.
Ebenso wichtig wie das Senden von Informationen ist ein funktionierender Gedankenaustausch. Kommentare, Nachrichten und Rückmeldungen sollten ernst genommen und zeitnah beantwortet werden. So entsteht ein Dialog, der Vertrauen schafft und zeigt, dass ihr als JAV wirklich zuhört und handelt. Digitale Kommunikation wird damit zu einem lebendigen Prozess, der junge Beschäftigte einbindet und euch als starke, moderne Interessenvertretung sichtbar macht.
Dabei dürft ihr rechtliche Stolperfallen im Zusammenhang mit analoger und digitaler Kommunikation nicht übersehen. Urheberrechte sind besonders im digitalen Raum zu beachten: Bilder, Musik oder Texte dürfen nur verwendet werden, wenn sie selbst erstellt oder lizenziert sind. Ebenso wichtig sind Einwilligungen und Bildrechte – insbesondere bei Fotos oder Videos von Auszubildenden, Aktionen oder Events. Hier gilt: Keine Veröffentlichung ohne klare Zustimmung. Auch die Grenze zwischen Betriebsöffentlichkeit und Vertraulichkeit muss beachtet werden. Interne Informationen, personenbezogene Daten oder sensible Vorgänge gehören nicht in Social Media. Gleichzeitig gilt für JAV-Mitglieder: Meinungsfreiheit ist geschützt, doch sie endet dort, wo Persönlichkeitsrechte einzelner oder die Loyalitätspflicht gegenüber dem Betrieb verletzt werden. Kritik ist erlaubt, ja gewünscht – aber sachlich, fair und ohne vertrauliche Inhalte.