von: Paulina Juszczyk, M.A. Erziehungswissenschaft
Rund um den Equal Pay Day und den Internationalen Frauentag stellt sich jedes Jahr die gleiche Frage: Wie weit ist die Gleichstellung von Frauen und Männern im Arbeitsleben wirklich? Eine aktuelle Untersuchung des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung gemeinsam mit dem Institut für sozialwissenschaftlichen Transfer (SowiTra) zeigt: Es gibt leichte Verbesserungen, aber viele Probleme bestehen weiter.
Frauen sind nach wie vor seltener erwerbstätig als Männer. Der Abstand liegt bei sieben bis acht Prozentpunkten und hat sich kaum verändert. Besonders groß werden die Unterschiede, wenn Kinder im Haushalt leben:
Im Durchschnitt kommen Mütter und Väter auf rund 60 Stunden Arbeit pro Woche. Der Unterschied: Bei Vätern besteht der Großteil aus bezahlter Erwerbsarbeit, bei Müttern aus unbezahlter Haus- und Sorgearbeit.
Der sogenannte Gender Working Time Gap, also der Unterschied zwischen den durchschnittlichen wöchentlichen Erwerbsarbeitszeiten von Frauen und Männern, beträgt aktuell 7,5 Stunden pro Woche. Dieser Abstand ist zwar etwas kleiner geworden, allerdings vor allem, weil Männer ihre Arbeitszeit leicht reduziert haben. Fast jede zweite erwerbstätige Frau arbeitet in Teilzeit, aber nur etwa jeder achte Mann.
Besonders mit Kindern zeigen sich klare Unterschiede:
Frauen und Männer nennen dafür unterschiedliche Gründe: Betreuungsaufgaben sind für Frauen ein viel wichtigerer Grund für eine Reduzierung der Arbeitszeit als für Männer. Männer sind dagegen häufiger wegen fehlender Vollzeitstellen sowie aufgrund von Aus- oder Fortbildungszeiten in Teilzeit tätig.
Frauen berichten häufiger von Arbeitsunterbrechungen, höherem Zeitdruck und stärkeren emotionalen Anforderungen. Das liegt auch daran, dass viele Frauen in sozialen, erzieherischen oder Dienstleistungsberufen arbeiten, in denen der direkte Kontakt zu anderen Menschen und emotionale Arbeit eine zentrale Rolle spielen.
Sowohl Frauen als auch Männer möchten im Durchschnitt weniger arbeiten. Frauen wünschen sich rund 3,8 Stunden weniger pro Woche, Männer sogar 4,4 Stunden. Besonders stark ist dieser Wunsch bei Eltern in Vollzeit.
Fast alle Mütter beziehen Elterngeld, bei Vätern ist es nur knapp die Hälfte. Während Mütter in der Regel zehn bis 14 Monate Elternzeit in Anspruch nehmen, bleiben Väter meist bei zwei Monaten. Da Mütter vor der Geburt häufiger in Teilzeit arbeiten und im Durchschnitt weniger verdienen, fällt auch ihr Elterngeld entsprechend niedriger aus.
Positiv ist hingegen der Ausbau der Kinderbetreuung. Immer mehr Kinder unter sechs Jahren werden ganztägig oder zumindest für einen Teil des Tages außer Haus betreut.
Der Lohnunterschied zwischen Frauen und Männern ist zuletzt etwas kleiner geworden. Der Gender Pay Gap, also der prozentualen Lohnunterschied zwischen Frauen und Männern pro Arbeitsstunde, lag 2024 erstmals bei 16 %. Dennoch bleibt Deutschland deutlich über dem EU-Durchschnitt von 12 %.
Im Durchschnitt verdienen Frauen bei vergleichbarer Arbeit und Qualifikation 4,10 Euro pro Stunde weniger. Das hat konkrete Folgen: Nur etwa jede zweite beschäftigte Frau kann dauerhaft von ihrem eigenen Einkommen leben, während dies bei drei Vierteln der beschäftigten Männer der Fall ist.
Über den Lebensverlauf hinweg summieren sich diese Unterschiede. Der Gender Pension Gap, der Unterschied bei der Alterssicherung zwischen Frauen und Männern, zeigt, Frauen erhielten im Jahr 2023 im Durchschnitt eine um 43 % niedrigere Alterssicherung als Männer.
Wer Verantwortung für Kinder oder pflegebedürftige Angehörige übernimmt, ist im Berufsleben häufiger mit Nachteilen konfrontiert. Benachteiligungen zeigen sich insbesondere:
Hier sind klare Regelungen und ein wirksamer Schutz vor Benachteiligung notwendig.
Gleichstellung ist kein abgeschlossenes Thema.
Gerade Beschäftigte mit Sorgeverantwortung, vor allem Frauen, tragen weiterhin eine doppelte Belastung.
Für die betriebliche Mitbestimmung ergeben sich zentrale Handlungsfelder:
Gleichstellung entscheidet sich nicht nur in politischen Debatten, sondern ganz konkret im Betrieb. Betriebsräte haben hier zentrale Mitbestimmungsrechte und damit echten Gestaltungsspielraum.