Viele Betriebsräte stehen vor derselben Herausforderung: Die nächste Betriebsratswahl rückt näher, doch es wird immer schwieriger, ausreichend Kandidierende zu finden. Besonders Kolleginnen zögern häufig, für den Betriebsrat zu kandidieren, obwohl sie fachlich geeignet sind, über eine hohe soziale Kompetenz verfügen und wichtige Perspektiven in die Gremienarbeit einbringen könnten.
Dabei geht es nicht darum, Männer zu verdrängen oder Quoten „um jeden Preis“ zu erfüllen. Erfolgreiche Kandidatengewinnung bedeutet vielmehr, bestehende Potenziale besser zu nutzen. Wer Frauen gezielt anspricht, erweitert den Kreis möglicher Kandidierender insgesamt und stärkt damit die Handlungsfähigkeit und Legitimation des Betriebsrats.
Trotz gesetzlicher Minderheitenquote liegt der Frauenanteil in vielen Betriebsräten unter 30 %. Noch klarer zeigt sich das Ungleichgewicht bei Vorsitz- und Stellvertretungspositionen. Die Ursachen dafür liegen selten im fehlenden Interesse, sondern vielmehr in strukturellen Hürden:
Die Folge: Frauen sind zwar im Gremium vertreten, aber oft weniger repräsentiert als ihr Anteil an der Belegschaft und selten an der Spitze. Damit gehen wichtige Perspektiven für den Betriebsrat und für die Belegschaft verloren.
Studien zeigen seit Jahren, dass diverse Teams erfolgreicher arbeiten. Ausgewogene Gremien entscheiden überlegter, berücksichtigen mehr Perspektiven und kommen zu tragfähigeren Ergebnissen. Für Betriebsräte gilt: Je besser das Gremium die Zusammensetzung der Belegschaft widerspiegelt, desto höher ist seine Repräsentationskraft.
Ein Betriebsrat ist dann erfolgreich, wenn er die Interessen aller Beschäftigten vertritt. Dazu braucht es unterschiedliche Lebensrealitäten, Erfahrungen und Blickwinkel, gerade auch in Fragen von Arbeitszeit, Vereinbarkeit, Gesundheit, Qualifizierung oder Entgeltgerechtigkeit.
Sprechen Sie Kolleginnen gezielt persönlich an. Eine konkrete Frage wie „Kannst du dir eine Kandidatur vorstellen? Ich unterstütze dich dabei.“ senkt Hemmschwellen und signalisiert Rückhalt.
Tandems aus erfahrenen Mitgliedern und Neueinsteigerinnen erleichtern den Einstieg. Sie geben Orientierung, Sicherheit und Unterstützung im Gremienalltag.
Rotierende Sitzungszeiten und hybride Teilnahmeformate erleichtern die Mitarbeit. Achten Sie darauf, dass Protokolle übersichtlich sind und wichtige Informationen schnell auffindbar bleiben.
Planen Sie Termine in realistischen Zeitfenstern. Frühzeitige Terminabsprachen erleichtern die Organisation von Kinderbetreuung und Pflege.
AGs zu Themen wie Vereinbarkeit, Schichtarbeit oder Qualifizierung bieten niedrigschwellige Einstiegsmöglichkeiten und sprechen viele Kolleginnen gezielt an.
Machen Sie Themen, Beiträge und Erfolge von Kolleginnen sichtbar, etwa über kurze Berichte oder interne Updates nach dem Motto „Was haben wir erreicht?“.
Erklären Sie Minderheitenschutz verständlich und praxisnah. Stellt Kandidatinnen mit ihren Themen vor und macht deutlich, wofür sie antreten.
Planen Sie frühzeitig Schulungen zu Grundlagen der Betriebsratsarbeit, Kommunikation oder Rhetorik. Qualifizierung schafft Sicherheit und stärkt die Bereitschaft zur Kandidatur.
Digitale Sprechstunden, interne Chats oder Frage-Antwort-Formate erleichtern den Kontakt, insbesondere für jüngere Personen oder Beschäftigte mit wenig Zeit.
Machen Sie Fortschritte sichtbar, auch kleine. Wertschätzung und positive Rückmeldungen erhöhen die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen.
Die Betriebsratswahl bietet die Gelegenheit, den Betriebsrat breit, handlungsfähig und zukunftsfähig aufzustellen. Eine erfolgreiche Wahl beginnt dabei lange vor dem Wahltag. Wer Kolleginnen gezielt anspricht, Vereinbarkeitsfragen ernst nimmt und Hürden abbaut, erhöht die Zahl der Kandidierenden und stärkt zugleich die Repräsentationskraft des künftigen Gremiums. So wird die Grundlage für wirksame Mitbestimmung gelegt, in der sich möglichst viele Beschäftigte wiederfinden.