Riskantes Verhalten im Ausbildungsalltag erkennen

 Autorin: Cornelia Fuchs, Diplom-Pädagogin

Wenn kleine Auffälligkeiten groß werden

Es beginnt oft unscheinbar: Ein Auszubildender kommt gelegentlich zu spät, wirkt müde oder unkonzentriert. Aufgaben bleiben liegen, Absprachen werden verpasst. Niemand spricht das Thema an, die Gründe scheinen nachvollziehbar. Prüfungsstress, private Belastungen, die Umstellung auf den Berufsalltag wirken wie harmlose Ursachen. Nach einiger Zeit zeichnet sich jedoch ein Muster ab: Rückzug von Kolleg*innen, Stimmungsschwankungen, Leistungsabfall. Was zunächst normal erscheint, kann sich zu riskantem Verhalten entwickeln und spürbare Auswirkungen auf die Ausbildung, das Team und die persönliche Gesundheit haben.

„Am Anfang dachte ich, es ist nur Stress. Aber irgendwann fiel mir auf, dass er immer öfter fehlt und sich zurückzieht.“  (Beobachtung eines JAV-Mitglieds)

Gerade in dieser Phase steigt die Anfälligkeit deutlich. Leistungsdruck, neue Freiräume und soziale Anpassungsprozesse treffen auf wenig Erfahrung im Umgang mit Belastung. Substanzen wie Alkohol oder Cannabis, aber auch übermäßige Nutzung digitaler Medien oder exzessives Gaming können schnell zur Belastung werden. Die Grenzen zwischen Freizeit, Genuss und problematischem Verhalten verschwimmen oft unbemerkt.

Warum Auszubildende besonders gefährdet sind

Die Ausbildungszeit ist ein kritischer Abschnitt im jungen Erwachsenenleben. Prüfungsstress, Leistungsanforderungen und neue soziale Rollen erzeugen Druck. Gleichzeitig eröffnen sich neue Freiräume, die nicht immer stabil begleitet werden. Wer noch wenig Erfahrung im Umgang mit Stress hat, ist besonders anfällig für Gewohnheiten, die sich rasch zu problematischem Verhalten entwickeln können. Die Herausforderung liegt darin, diese Entwicklungen frühzeitig zu erkennen, bevor sie sich verfestigen.

Die Rolle der JAV: Vertrauen und Verantwortung

JAV-Mitglieder stehen in einer Schlüsselrolle. Sie sind oft die ersten, die Veränderungen wahrnehmen, und zugleich die Vertrauenspersonen der Auszubildenden. Dabei ist Fingerspitzengefühl gefragt. Sensibel ansprechen, Grenzen wahren, nicht stigmatisieren und gleichzeitig die eigenen Ressourcen schützen. Viele fragen sich, wann Verhalten noch normal ist und wann Handlungsbedarf besteht. Wie kann ein schwieriges Gespräch geführt werden, ohne Vertrauen zu verlieren? Welche rechtlichen und organisatorischen Rahmenbedingungen müssen beachtet werden?

Wie Prävention gelingt

Das Seminar „Suchtprävention in der JAV-Arbeit“ vermittelt praxisnah Wissen und Handlungssicherheit. Teilnehmende lernen, Warnsignale frühzeitig zu erkennen, Gespräche respektvoll zu führen und präventive Maßnahmen im Ausbildungsalltag zu etablieren. Die Zusammenarbeit mit Fachkräften im Betrieb oder externen Netzwerken wird ebenfalls thematisiert, um Handlungssicherheit und professionelle Unterstützung zu gewährleisten. Ziel ist es, JAV-Mitglieder zu stärken, damit sie sicher handeln, präventive Strukturen im Betrieb aufbauen und ihre eigenen Grenzen wahren können. So entsteht ein gesundes, unterstützendes Ausbildungsumfeld, von dem Auszubildende und Betrieb gleichermaßen profitieren.

 

Seminar: Suchtprävention in der JAV-Arbeit

 

Fazit

Prävention beginnt nicht erst, wenn Probleme offensichtlich werden. Sie beginnt dort, wo Aufmerksamkeit, Wissen und Handlungssicherheit zusammenkommen. JAV-Mitglieder können frühzeitig Impulse setzen, riskantes Verhalten erkennen und aktiv dazu beitragen, dass die Ausbildung für alle Beteiligten gesund und erfolgreich verläuft.