Die Arbeit von Vertrauenspersonen fordert viel: fachliche Sicherheit, emotionale Präsenz, Konfliktfähigkeit und die Bereitschaft, auch widersprüchliche Erwartungen auszuhalten. Gespräche mit belasteten Kolleg*innen, Abstimmungen mit Arbeitgebern und rechtliche Rahmenbedingungen greifen ineinander und lassen wenig Raum für einfache Lösungen. Resilienz ist unter diesen Bedingungen keine Zusatzkompetenz, sondern eine grundlegende Voraussetzung für nachhaltige SBV-Arbeit.
Ein zentraler, oft unterschätzter Faktor für Resilienz ist die innere Haltung. Sie zeigt sich darin, wie eine Vertrauensperson innerlich in ein Gespräch geht, wie sie Verantwortung einordnet und wie sie mit Unsicherheit umgeht. Fühle ich mich für alles zuständig? Erlebe ich Konflikte als persönliches Scheitern? Oder gelingt es mir, meine Rolle klar zu definieren?
Diese innere Position entscheidet darüber, ob Belastung als lähmend oder als gestaltbar erlebt wird. Sprache spielt dabei eine Schlüsselrolle, denn sie macht Haltung nicht nur sichtbar – sie formt sie aktiv mit.
Gerade in stressigen Situationen greifen viele Menschen auf automatisierte Sprachmuster zurück. Sätze wie „Ich muss das jetzt unbedingt klären“ oder „Das darf auf keinen Fall eskalieren“ entstehen oft unbewusst. Sie transportieren jedoch eine hohe innere Erwartungshaltung und verstärken das Gefühl von Dringlichkeit und Alleinverantwortung.
Ressourcenorientierte und positive Sprache setzt genau hier an. Sie verändert nicht die Situation, aber den inneren Umgang mit ihr. Wer sich innerlich sagt: „Ich kläre, was in meinem Einflussbereich liegt“ oder „Ich prüfe, welchen Beitrag ich in meiner Rolle leisten kann“, ordnet Verantwortung neu. Das entlastet, ohne Engagement zu reduzieren.
Diese Form des positiven Sprachgebrauchs ist ein zentraler Bestandteil von Resilienz und hilft, auch in komplexen Situationen handlungsfähig zu bleiben.
Besonders deutlich wird die Wirkung innerer Haltung und positivem Sprachgebrauch in Gesprächen mit psychisch belasteten oder erkrankten Kolleg*innen. Eine Vertrauensperson, die innerlich klar ist, kann empathisch zuhören, ohne sich zu verlieren. Sätze wie „Ich höre, dass Sie gerade sehr unter Druck stehen“ oder „Wir schauen gemeinsam, welche Unterstützungsmöglichkeiten es gibt“ signalisiert Verständnis und Nähe – und zugleich professionelle Abgrenzung.
Diese Abgrenzung ist kein Mangel an Mitgefühl, sondern ein Schutzfaktor. Sie bewahrt Vertrauenspersonen davor, Verantwortung zu übernehmen, die nicht bei ihnen liegen, und ermöglicht zugleich eine verlässliche Begleitung.
Zur inneren Haltung gehört auch, sich selbst als handelnde Person ernst zu nehmen. Dazu zählt, sich Zeit für Struktur zu erlauben, bevor reagiert wird, Fakten von Bewertungen zu trennen und eigene Grenzen wahrzunehmen. Sprache unterstützt diesen Prozess, indem sie Gedanken ordnet und Abstand schafft.
Statt innerlich zu denken „Das wird mir alles zu viel“, kann die bewusste Formulierung „Ich sortiere, was jetzt wichtig ist.“ helfen. Statt „Schon wieder ein Konflikt“ kann es heißen: „Ich gehe vorbereitet in dieses Gespräch.“
Solche sprachlichen Verschiebungen wirken unscheinbar, haben aber große Wirkung. Sie stabilisieren die innere Haltung und reduzieren langfristig emotionale Erschöpfung.
Eine reflektierte innere Haltung bleibt nicht unsichtbar. Sie zeigt sich in klarer Kommunikation, ruhiger Gesprächsführung und einer Sprache, die Orientierung bietet. Kolleg*innen erleben die SBV als verlässlich, Arbeitgeber als strukturiert, Gremien als kompetent. Resilienz wirkt damit nicht nur nach innen, sondern verbessert auch die Qualität der Zusammenarbeit im Betrieb.
Resilienz entsteht nicht erst durch Entspannung oder Abstand, sondern im täglichen Umgang mit Anforderungen. Die innere Haltung ist dabei entscheidend – und Sprache eines der wirksamsten Werkzeuge, um sie bewusst zu gestalten. Wer seine Sprache reflektiert, übernimmt Verantwortung für sich selbst. Und wer seine innere Haltung stärkt, bleibt langfristig wirksam in einer anspruchsvollen Rolle.