Von: Beatrix Albrecht, Juristin, Trainerin und Mediatorin
Die Personaldecken sind durch Kostenoptimierung und Demografie sehr dünn geworden. Sie haben sich dennoch entschieden, sich als Betriebsrat aufstellen zu lassen und Ihre Kolleginnen und Kollegen haben Sie gewählt.
Wie bekommen Sie nun die verschiedenen Rollen „unter einen Hut“ – und zwar nicht nur die täglichen Arbeitsanforderungen, sondern auch die Aufgaben eines Betriebsrats? Wie können Sie negativen Stress, Konflikte und Frustration vermeiden?
Hier ein paar Tipps:
▼ Machen Sie Ihre Rollen und Aufgaben sichtbar
▼ Regen Sie im Betriebsrat eine Intensivierung der Öffentlichkeitsarbeit an
▼ Trennen Sie Ihre Rollen, wo immer es geht
▼ Üben Sie sich darin, an den richtigen Stellen „nein“ zu sagen
▼ Setzen Sie Prioritäten mit dem Eisenhower-Prinzip
▼ Nehmen Sie sich Zeit für private Sozialkontakte und Familie
▼ Vereinbarkeit von Job und Betriebsratsmandat im Alltag
Machen Sie Ihre Rollen und Aufgaben sichtbar
Erklären Sie Ihren Kolleginnen und Kollegen die Aufgaben des Betriebsrats und machen Sie bewusst, dass Sie als Betriebsrat durch diese Arbeit etwas für die Mitarbeitenden tun.
Offenes über Ihre Aufgaben zu sprechen, kann für Interesse und Verständnis sorgen.
Regen Sie im Betriebsrat eine Intensivierung der Öffentlichkeitsarbeit an
Das unterstützt Sie, da die für die Betriebsratsarbeit notwendigen Abwesenheiten eher verstanden werden.
Die Ergebnisse der Betriebsratsarbeit zeigen dann zudem, dass etwas für die Belegschaft getan wird.
Auch die Arbeiten der Ausschüsse sind dabei wichtig, um die Intensität des Einsatzes nachvollziehbar zu machen.
Trennen Sie Ihre Rollen, wo immer es geht
Das sagt sich leicht, wenn im Homeoffice Partner und/oder Kinder Erwartungen und Wünsche haben oder wenn die eigene vorgesetzte Person Druck macht und gleichzeitig im Betriebsrat eine Sondersitzung ansteht.
Im ersten Fall kann ein räumlich fest definierter Arbeitsplatz helfen, im zweiten Fall ein Gespräch mit dem bzw. der Vorgesetzten mit einem freundlichen Hinweis auf § 37 Abs. 2 BetrVG.
Üben Sie sich darin, an den richtigen Stellen „nein“ zu sagen
Lernen Sie, sich abzugrenzen. Sparen Sie sich Begründungen oder Rechtfertigungen und seien Sie mutig, ohne abweisend zu sein.
Sie haben das Recht, für sich selbst zu sorgen und für sich einzustehen. Das ist kein Egoismus, sondern gesunde Selbstsorge.
Setzen Sie Prioritäten mit dem Eisenhower-Prinzip
Versuchen Sie Prioritäten zu setzen, indem Sie sich vier Fragen stellen.
Ist die Aufgabe:
· weder wichtig noch dringlich? → dann nicht bearbeiten
· dringlich, aber nicht wichtig? → dann delegieren
· wichtig, aber nicht dringlich? → dann terminieren und selbst erledigen
· wichtig und dringlich? → dann sofort selbst erledigen
Nehmen Sie sich Zeit für private Sozialkontakte und Familie
Nur wenn Sie Ihre Ressourcen wieder auftanken, können Sie gute Arbeit im Job und gute Arbeit im Betriebsrat leisten. Seien Sie nicht zu streng zu sich selbst – niemand muss alles können oder wissen.
Der Betriebsrat ist ein Gremium, in dem die Expertise mehrerer Mitglieder genutzt wird.
Vereinbarkeit von Job und Betriebsratsmandat im Alltag
Mit Sicherheit gibt es noch viele weitere Ansätze und Hilfestellungen, um sowohl den arbeitsintensiven Alltag als auch die herausfordernde Betriebsratsarbeit in Einklang zu bringen, wie zum Beispiel die Klärung rechtlicher Ansprüche und rechtliche Argumentationshilfen.
Das kann alles im Laufe Ihres Amtes aufgebaut und professionalisiert werden.
Vertrauen Sie auf sich selbst und darauf, dass Sie alle übernommenen Rollen bestmöglich wahrnehmen werden.