Immer mehr Unternehmen experimentieren mit der 4-Tage-Woche. Sie wollen den Bedürfnissen ihrer Mitarbeitenden entgegenkommen, die Familie, Freunde oder Hobbys verstärkt in den Alltag integrieren möchten. Politisch wird dieses Thema immer wieder heiß diskutiert: Während eine Seite die hohe Flexibilität befürwortet, sehen Kritiker*innen in dem Modell weniger erbrachte Leistung. In diesem Beitrag erklären wir, was die Vier-Tage-Woche ist und welche Vor- und Nachteile sie hat.
Sobald in Unternehmen die Arbeitszeiten angepasst werden sollen, spielen Betriebsräte eine zentrale Rolle. Durch Ihre Expertise sorgen sie für die rechtmäßige Umsetzung von Arbeitszeitmodellen und stehen der Belegschaft unterstützend beiseite. Das Poko-Institut bietet hierzu praxisnahe Betriebsrat-Seminare an – wahlweise auch als digitales Betriebsrat-Webinar oder maßgeschneiderte Inhouse-Schulung.
Symposium Arbeitszeit
Die 4-Tage-Woche beschreibt ein Arbeitszeitmodell, bei dem die reguläre Arbeitszeit auf vier statt fünf Tage in der Woche verteilt wird. Ziel ist es, den Beschäftigten mehr Flexibilität im Alltag zu ermöglichen, ohne dass die Gesamtarbeitszeit grundsätzlich reduziert wird.
Die Stunden des fünften Arbeitstags wird auf die verbleibenden vier Tage verteilt, sodass die tägliche Arbeitszeit auf 10 Stunden steigt. Dieses Modell sorgt dafür, dass die Belastung in der Woche etwas geringer bleibt, da es einen freien Tag gibt, der beispielsweise zur Betreuung von Kindern genutzt werden kann.
Viele Beschäftigte arbeiten regelmäßig mehr als 40 Stunden pro Woche. Lange Arbeitszeiten können die Gesundheit beeinträchtigen, zu Stress, Burn-out und vermehrten Krankschreibungen führen. Auch die Konzentrationsfähigkeit nimmt nach fünf bis sechs Stunden kontinuierlicher Arbeit ab, sodass zusätzliche Arbeitsstunden nicht immer gleichbedeutend mit höherer Produktivität sind.
Arbeitsmarktforscher betonen, dass eine Reduzierung der Wochenarbeitszeiten die Leistungsfähigkeit steigern kann. Gleichzeitig profitieren Unternehmen von zufriedeneren Arbeitnehmern und Arbeitnehmerinnen, die motivierter und engagierter sind.
Die 4-Tage-Woche bietet sowohl Chancen als auch Herausforderungen. Verschiedene Studien und Praxisprojekte zeigen, dass sich die Auswirkungen auf Beschäftigte und Unternehmen je nach Umsetzung unterscheiden. Im Folgenden werden die wichtigsten Vorteile und Nachteile übersichtlich dargestellt.
Einer der größten Vorteile der 4-Tage-Woche ist die gewonnene Freizeit. Beschäftigte haben mehr Zeit für Familie, Freunde und persönliche Interessen, was zu einer besseren Work-Life-Balance führt. Außerdem können längere Wochenenden zur Erholung genutzt werden.
Studien zeigen, dass sich die Produktivität bei einer verkürzten Arbeitswoche steigern lässt, da die Mitarbeitenden konzentrierter und effizienter arbeiten. Gleichzeitig sinkt die Zahl der Krankheitstage, und auch die Motivation sowie die Zufriedenheit am Arbeitsplatz steigen. Weitere positive Effekte ergeben sich durch geringere Fahrtkosten und eine reduzierte Belastung durch Pendeln.
Auf der anderen Seite bringt die 4-Tage-Woche auch Schattenseiten mit sich. Lange Arbeitstage, wie sie bei den 10-Stunden-Tagen entstehen, können zu körperlichen und psychischen Belastungen führen sowie die Konzentration beeinträchtigen. Besonders für Mitarbeitende mit kleinen Kindern oder Pflegeverpflichtungen kann die längere tägliche Arbeitszeit organisatorisch schwierig sein.
Zudem reduziert sich der Urlaubsanspruch proportional zur Anzahl der Arbeitstage. Arbeitet eine Vollzeitkraft fünf Tage pro Woche und erhält 20 Urlaubstage, hätte sie in einer 4-Tage-Woche mit gleichem Urlaubsanspruch anteilig nur noch 16 Tage frei.
Beispielrechnung für den Urlaubanspruch bei einer 4-Tage-Woche: 20 (Urlaubstage in Vollzeit) ÷ 5 (Arbeitstage in Vollzeit) × 4 (Arbeitstage der Vier-Tage-Woche) = 16 Urlaubstage.
Je nach Branche und Aufgabenbereich kann zudem die Umsetzung der 4-Tage-Woche schwieriger sein, beispielsweise in der Produktion oder im Bauwesen, wo kontinuierliche Präsenz notwendig ist.
Seminar: Arbeitszeit und Arbeitszeitgestaltung 1Ein Pilotprojekt aus Großbritannien zeigt jedoch die Chancen der 4-Tage-Woche: Über sechs Monate hinweg testeten 61 Unternehmen mit insgesamt rund 2.900 Beschäftigten unterschiedliche Modelle bei vollem Lohnausgleich. Die Teilnehmenden kamen aus verschiedenen Branchen wie Finanzwesen, IT, Bau, Gastronomie und Gesundheitswesen. Einige Unternehmen führten ein langes Wochenende ein, andere verteilten den zusätzlichen freien Tag flexibel über die Woche.
Die Ergebnisse waren überzeugend. 56 der 61 Unternehmen entschieden, das Modell auch nach der Testphase beizubehalten, 18 führten es bereits dauerhaft ein. Die Produktivität stieg, der Umsatz der beteiligten Unternehmen legte in der zweiten Jahreshälfte 2022 um 1,4 % zu. Zudem sank die Zahl der Krankheitstage um 65 %, und die Fluktuation reduzierte sich um 57 %. Vier von zehn Beschäftigten gaben an, sich deutlich weniger gestresst zu fühlen.
Neben einem Mitbestimmungsrecht besitzt der Betriebsrat auch die Möglichkeit, in Fragen der Arbeitszeitverteilung eigene Vorschläge einzubringen. Er muss also nicht warten, bis der Arbeitgeber die Einführung einer Vier-Tage-Woche anspricht, sondern kann entsprechende Modelle im Rahmen seiner Zuständigkeit selbst anregen.
Dieses Vorgehen ermöglicht es dem Betriebsrat, den ersten Schritt zu machen, wenn es um Themen geht, die die Belegschaft betreffen - wie beispielsweise lange Arbeitszeiten. Es ermöglicht dem Betriebsrat, in der Umsetzung frühzeitig aktiv mitzugestalten, die Interessen der Beschäftigten einzubringen und gemeinsame verbindliche Regelungen zu erreichen.
Dabei ist eine sorgfältige Vorbereitung entscheidend, etwa durch die Analyse verschiedener Vor- und Nachteile sowie der rechtlichen Rahmenbedingungen, um den Arbeitgeber von einer fairen und praktikablen Umsetzung zu überzeugen.
Arbeitszeiten müssen so gestaltet sein, dass gesundheitliche Belastungen von Arbeitnehmer*innen ausgeschlossen werden. Die Seminare des Poko-Instituts vermitteln Betriebsräten die nötigen Kenntnisse über die rechtlichen Grundlagen von Arbeitszeitmodellen und wie Betriebsräte ihre Mitbestimmungsrechte in dieser Thematik erfolgreich durchsetzen können.
Dabei haben Sie die Wahl zwischen Präsenzseminaren an deutschlandweiten Seminar-Standorten, interaktives Betriebsrat-Webinar, auf das Unternehmen zugeschnittene Inhouse-Schulung. Das praxisnahe Wissen der erfahrenen Referierenden wappnet Sie für Ihren betrieblichen Alltag.