Homeoffice erhöht die Produktivität – bis zu einem bestimmten Punkt

Autor: Paulina Juszczyk, M.A. Erziehungswissenschaft

Homeoffice ist für viele Beschäftigte fester Bestandteil des Arbeitsalltags. Die Diskussion darüber, ob das Arbeiten von zu Hause produktiver ist als die Tätigkeit im Büro, wird jedoch weiterhin kontrovers geführt. Eine aktuelle Studie des Fraunhofer-Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) in Kooperation mit der Techniker Krankenkasse (TK) liefert dazu nun belastbare Zahlen, mit einem klaren, aber differenzierten Ergebnis.

20 % mehr Leistung im Homeoffice

Für die Studie wurden über einen Zeitraum von zwei Jahren die Leistungsdaten von rund 11.000 Beschäftigten in Sachbearbeitungs- und Kundenkontaktfunktionen ausgewertet.

Das Ergebnis: Im Durchschnitt war die Produktivität im Homeoffice rund 20 % höher als bei ausschließlicher Büroarbeit. Beschäftigte bearbeiteten mehr Vorgänge und erledigten mehr Aufgaben.

Als mögliche Ursachen nennen die Forschenden vor allem eine ruhigere Arbeitsumgebung, weniger Unterbrechungen und bessere Konzentrationsmöglichkeiten.

Der Kipppunkt liegt bei etwa 60 % Homeoffice-Anteil

Der positive Effekt ist jedoch nicht unbegrenzt. Die Analyse zeigt einen klaren Wendepunkt: Ab einem Anteil von etwa 60 % Homeoffice-Zeit beginnt die Produktivität wieder zu sinken.

Die Gründe liegen weniger in individueller Leistungsbereitschaft als vielmehr in strukturellen Effekten:

  • Weniger spontaner fachlicher Austausch
  • Geringere informelle Kommunikation
  • Schwächerer Teamzusammenhalt
  • Verzögerter Wissenstransfer

Mit zunehmender Distanz entstehen Koordinations- und Abstimmungsverluste, die sich auf die Gesamtleistung auswirken.

Deutliche Effekte auf Zufriedenheit und Belastung

Neben der Produktivität wurden auch Aspekte der Arbeitszufriedenheit untersucht.

Die Ergebnisse sind eindeutig:

  • 93 % der Befragten sehen im Homeoffice eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben.
  • 81 % berichten von einer Reduzierung von Stress im Arbeitsalltag.

Homeoffice wirkt also nicht nur leistungssteigernd, sondern auch entlastend, zumindest in einem ausgewogenen Umfang.

Hybride Modelle schneiden am besten ab

Die Studienautor*innen kommen zu einem klaren Schluss: Weder vollständige Präsenzarbeit noch vollständige Remote-Arbeit sind optimal.

Die besten Ergebnisse zeigen sich bei einer ausgewogenen Kombination aus Homeoffice und Büroarbeit. Während Homeoffice konzentriertes Arbeiten fördert, bleibt die Präsenz für Abstimmung, Kreativität und Teamdynamik zentral.

Fazit

Die Untersuchung bestätigt: Homeoffice kann die Produktivität im Durchschnitt um rund 20 % steigern. Gleichzeitig verbessert es die Vereinbarkeit von Arbeit und Privatleben und senkt Stress.

Doch ab einem Anteil von etwa 60 % Homeoffice-Zeit kippt der Effekt. Zusammenarbeit und Austausch leiden und damit langfristig auch die Leistung.

Entscheidend ist daher nicht das „Ob“, sondern das „Wie viel“.