Mehr Dialog, weniger Ansagen? Was die Generation Z von Führung erwartet

Von: Paulina Juszczyk, M.A. Erziehungswissenschaft, Mediatorin

Viele Jugend- und Auszubildendenvertretungen (JAV) kennen die Situation: Auszubildende berichten, dass sie kaum Rückmeldungen zu ihrer Arbeit erhalten, Entscheidungen nicht nachvollziehen können oder sich mit ihren Fragen nicht ernst genommen fühlen. Häufig wird dann über mangelnde Wertschätzung oder fehlende Kommunikation gesprochen.

Diese Erfahrungen spiegeln einen grundlegenden Wandel wider. Junge Beschäftigte erwarten heute eine andere Form der Führung als frühere Generationen. Sie möchten nicht nur wissen, was sie tun sollen, sondern auch warum. Sie wünschen sich Transparenz, regelmäßiges Feedback und die Möglichkeit, eigene Fragen und Ideen einzubringen.

Kommunikation wird zur Führungsaufgabe

Neben Themen wie Flexibilität oder Entwicklungsmöglichkeiten spielt die Art der Kommunikation eine immer größere Rolle. Junge Beschäftigte möchten verstehen, welchen Beitrag ihre Arbeit zum Unternehmen leistet und warum bestimmte Entscheidungen getroffen werden. Gleichzeitig erwarten sie, dass Informationen offen und nachvollziehbar vermittelt werden.

Auch Feedback hat einen anderen Stellenwert als noch vor einigen Jahren. Rückmeldungen sollen zeitnah erfolgen und dabei nicht nur auf Fehler hinweisen, sondern Orientierung geben und die persönliche Entwicklung unterstützen. Das klassische Jahresgespräch reicht vielen jungen Beschäftigten dafür nicht mehr aus.

Der JAV begegnen diese Erwartungen häufig in Gesprächen mit Auszubildenden – etwa dann, wenn Unsicherheiten entstehen, weil Erwartungen unklar bleiben oder Rückmeldungen ausbleiben.

Führung braucht mehr als Anweisungen

Damit verändert sich auch die Rolle von Führungskräften und Ausbilder*innen. Neben der Vermittlung fachlicher Inhalte gewinnen Zuhören, Erklären und Begleiten an Bedeutung. Moderne Führung bedeutet nicht, auf klare Entscheidungen zu verzichten. Vielmehr geht es darum, Erwartungen transparent zu machen, Orientierung zu geben und Verantwortung schrittweise zu übertragen.

Dazu gehören eine offene Gesprächskultur, gegenseitiger Respekt und die Möglichkeit, Fragen zu stellen oder Verbesserungsvorschläge einzubringen. Beschäftigte möchten nicht bei jeder Entscheidung mitbestimmen, aber sie möchten verstehen, wie Entscheidungen zustande kommen und erleben, dass ihre Perspektive ernst genommen wird.

Wo die JAV ins Spiel kommt

Gerade in der Ausbildung entscheidet gute Kommunikation häufig darüber, ob sich Auszubildende sicher fühlen und motiviert bleiben. Wer regelmäßig Rückmeldung erhält, Fragen stellen kann und Unterstützung erfährt, entwickelt meist schneller Selbstvertrauen und Eigenverantwortung.

Bleiben Gespräche hingegen aus oder fühlen sich Auszubildende mit ihren Anliegen allein gelassen, wenden sie sich häufig an die JAV. Dadurch erkennt die JAV oft früh, wo es im Ausbildungsalltag Kommunikationsprobleme gibt.

Typische Hinweise sind beispielsweise:

  • Auszubildende wissen nicht, welche Erwartungen an sie gestellt werden.
  • Rückmeldungen erfolgen nur, wenn Fehler passieren.
  • Entscheidungen werden nicht erklärt.
  • Eigene Fragen oder Vorschläge stoßen auf wenig Interesse.

Solche Rückmeldungen bieten der JAV die Möglichkeit, den Dialog mit Ausbilder*innen, Betriebsrat und Arbeitgeber zu suchen und Verbesserungen anzustoßen.

Feedback ist mehr als Lob und Kritik

Regelmäßige Feedback- und Entwicklungsgespräche können dazu beitragen, Missverständnisse frühzeitig zu vermeiden und Auszubildende besser zu begleiten. Dabei sollte Kommunikation keine Einbahnstraße sein. Auch Auszubildende brauchen die Möglichkeit, ihre Erfahrungen zu schildern und Rückmeldung zur Ausbildung zu geben.

Digitale Instrumente wie kurze Pulsbefragungen können den Austausch sinnvoll ergänzen. Entscheidend bleibt jedoch das persönliche Gespräch. Vertrauen entsteht vor allem dort, wo Menschen sich ernst genommen fühlen und offen miteinander sprechen können.

Fazit

Die Erwartungen der Generation Z zeigen, dass gute Führung heute weit mehr umfasst als die Verteilung von Aufgaben. Transparenz, regelmäßiges Feedback und ein ehrlicher Dialog werden zunehmend zu wichtigen Voraussetzungen für eine erfolgreiche Ausbildung.

Für die JAV ist das eine Chance. Sie kennt die Anliegen junger Beschäftigter oft aus erster Hand und kann sich dafür einsetzen, dass Kommunikation, Beteiligung und Wertschätzung im Ausbildungsalltag stärker gelebt werden.